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ila 231 Dezember 99

Medienbilder von Lateinamerika

  3 Editorial
  4 Ereignisaktuell
. Lateinamerika in den Medien von Anton-Andreas Guha
  6 Weit weg. Interview mit dem ARD-Korrespondenten in Buenes Aires Jochen Nuhn von Henry Schmahlfeldt
  8 Fußball, Drogen und Guerilla. Reflexionen zur medialen Wahrnehmung Kolumbiens von Erick Arellana
10 „Ich bin verrückt nach Erotik". Das Dilemma mit den Klischees- „Frauenhandel" inden Medien
     von Christiane Howe
14 Faszination Kaffee. Lateinamerikabilder in der Kaffee-Werbung von Eduard Fritsch
17 Tanztheater Bundesliga. Was deutsche Sportzeitungen über lateinamerikanische Fußballer schreiben
     von Gert Eisenbürger
18 Endeck´ den Cubaner in dir. Ganz Deutschland im Cuba-Fieber: Buena Vista Social Club macht´s
     möglich von Britt Weyde
20 OmU erst ab 22 Uhr. Interview mit Pascale Cornuel, Redakteurin für Themenabende bei arte
     von Gert Eisenbürger

     Berichte & Hintergründe
24 Der kurze Traum vom Wechsel.
Im zweiten Wahlgang siegte Uruguays Rechte von Ernesto Kroch
27 Zurück in die Zukunft? Rios Montt-Partei gewinnt Wahlen in Guatemala von Claudia Koch
30 Aufgelesen: Das wiedererlangte Wort. von Esther Andradi
31 Vielleicht dieses Mal. Venezuelas Präsident Chávez wurde vor einem Jahr gewählt
 
   von Steve Ellner
33 Phantastische Antiquitäten. Der brasilianische Oppositionsführer „Lula" da Silva über Hugo Chávez
34 Im Namern des Geldes. Erneut verheerende Waldbrände in Brasilien von Klaus Hart
35 Noch sehr jung. Interview zum Unistreik an der UNAM in Mexico-Stadt von Ingrid Wenzl
37 Verehrt und gehasst. Mexicos bekanntester und umstrittenster Bischof Samuel Ruiz geht in den Ruhestand
     von Gerold Schmidt

     Eine Welt Wirtschaft
38 Vom Laden an der Ecke nach Rio Grande do Sul.
Ein brasilianischer Bundesstaat im Kampf gegen gen-
      technischveränderte Sojabohnen von Janet Bell

     Kulturszene
42 Typisch Holz. Auszug aus dem Buch „Erzengel" von Paco Ignacio Taibo II
45 Erzengel. Paco Ignacio Taibo II über zwölf HäretikerInnen der Revolution von Gert Eisenbürger
46 Es war einmal ein König
. Vor dreißig Jahren schoß Pelé sein Tausendstes Tor von Omar Saavedra
    Santis

     Ländernachrichten/ Poonal
49 Guatemala, Chile, Haiti/ Dominikanische Republik, Argentinien, Puerto Rico, Brasilien, Kolumbien,
     El Salvador, Peru, Honduras

     Solidaritätsbewegung
52 Es wird Zeit, dass sie rauskommen.
Neue Kampagnen zur Freilassung der RAF-Gefangenen
53 Macht BUKO Spaß? Perspektiven für das Jahr 2000 verzweifelt gesucht von Britt Weyde
54 Globalisierung von unten. Auftakt zur weltweiten Kampagne füür Agrareform von Sofia Monsalve
     und Vilmar Schneider
56 Gezähmte Modemultis? Buchbesprechung von Karin Leukefeld
57 Notizen aus der Bewegung
59 Termine, Zeitschriftenschau, Impressum

Editorial

 

Angenommen, vor zwanzig Jahren hätte sich in Mexico eine Indígena-Guerilla erhoben. Wie hätten wohl die meisten deutschen Medien reagiert? Höchstwahrscheinlich wäre über den sowjetischen Einfluss im Nachbarland der USA „berichtet", über cubanische Söldner spekuliert und die EZLN zur Bedrohung der „freien Welt" stilisiert worden. 1994 standen dann die ZapatistInnen auf. Für die meisten deutschen Redaktionsstuben waren die vermummten Mützen- menschen eine kurzlebige Attraktion, ihr Sprecher Marcos war trotz – oder gerade wegen – seiner Gesichtslosigkeit ein Star und die Aufständischen wurden wegen ihrer professionellen Öffentlichkeitsarbeit als erste mediengerechte Guerilla gefeiert.

Einige im Amt ergraute Kalte KriegerInnen versuchten zwar, die EZLN als ewig Gestrige darzustellen – oder meinten sie sich selbst? –, die anderen berichteten eher wohlwollend über die exotischen RebellInnen. Warum es zu dem Auf- stand kam, dass das nordamerikanische Freihandelsabkommen die indigenen Gemeinden noch ärmer machen sollte als zuvor, verschwiegen die meisten Berichte ebenso wie die zapatistischen Vorstellungen von Demokratie und gesell- schaftlicher Gegenmacht.

Das wäre zu Zeiten des Kalten Krieges nicht anders gewesen. Bis zum Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus wurde Latein- und besonders Zentralamerika in den Medien meist wahrgenommen, weil die dortigen Konflikte im Rahmen der Systemauseinandersetzung gesehen wurden. Der Ost-West Konflikt ist vorbei, Latein- amerika muss etwas anderes bieten, um in den großen Medien vorzukommen. Bei CNN, RTL & Co. sichern bewaffnete Konflikte immer noch einen relativ guten Sendeplatz, „gut" sind auch Naturkatastrophen, Wahlen und Papstbesuche. Dazu kommen Sex, Drugs and Crime, für Lateinamerika heißt das Frauenhandel, Drogenmafia und Gewaltkriminalität.

Nachrichtensendungen ordnen sich immer mehr den von Hollywood und anderen Traum- und Ideologiefabriken erzeugten Konsummustern medial erzeugter Wirklichkeiten unter. Eine Nachricht ist nicht wegen ihres Informations- und Bedeutungsgehaltes wichtig, der Unterhaltungswert zählt: Kurz, knackig, aufregend muss sie sein – oder aber, denkt man mehr an die entspannende Feierabendunterhaltung, besinnlich und schön und mystisch. Aber auch da werden die MedienmacherInnen in Lateinamerika fündig: Ist nun der Atitlán in Guatemala oder der Titicaca im Anden- hochland der schönste See Lateinamerikas? Wollten Sie nicht schon immer die Geheimkulte der Xinca kennen lernen? Xinca? Wer oder was sind das denn? Menschen? Ja! In Asien, Afrika oder Lateinamerika? Ist doch egal, die Exotik zählt – und damit wären wir auch schon wieder bei den ZapatistInnen.

Klar: Seriös und engagiert zu berichten ist keineswegs einfach. Vor Pauschalisierungen und eurozentriertem Blick ist niemand gefeit, auch wir nicht. Deswegen wollen wir bei aller Medienkritik in diesem Heft nicht zum moralischen Rundumschlag ausholen. Denn einige Redaktionen von Tages- und Wochenzeitungen sowie bei öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsendern sind längst zu Bastionen eines ernsthaften Journalismus in einem Meer von Dumpfheit und Beliebigkeit geworden.

Insgesamt wird die hiesige Medienlandschaft aber immer stärker auf die oben erwähnten Konsumgewohnheiten zuge- richtet, für Hintergrundberichterstattung und engagierten Journalismus bleibt kaum Raum. Gerade deswegen ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Berichterstattung der Medien unverzichtbar. Mit diesem Heft wollen wir die bis in die achtziger Jahre hinein geführte Diskussion um Arbeitsweisen und Wirkung der Medien wieder aufnehmen – und auch gerne fortsetzen. Die Medien prägen schließlich die Bilder der Welt, in der wir leben.

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