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ila 233
März 00 Editorial Am 24. März 1976 putschten die Militärs in Argentinien und leiteten damit die größte Repressionswelle in der Geschichte des Landes ein. Vier Jahre später wurde an dem Datum in El Salvador Erzbischof Oscar Romero ermordet. Letztes Jahr dann, ebenfalls am 24. März, begann der Nato-Krieg gegen Jugoslawien. Historische Daten mit Brisanz. Was 1999 von vielen auch von uns im Kosovo vorhergesagt wurde, ist heute traurige Gewissheit: Das Zusammenleben der Menschen dort ist durch den Krieg tiefgehend gestört worden, längst nicht alle albanischstämmigen Flüchtlinge sind zurückgekehrt; die serbische Bevölkerung wurde vertrieben und die Lage der Roma und anderer Minderheiten, die über keinerlei internationale Lobby verfügen, ist desolat. Wirtschaftliche Perspektiven für die Region sind für lange Zeit zerstört. Zwar heißt es seit einigen Monaten in den Medien, es sei nun wieder Frieden, aber in Wirklichkeit ist der Krieg noch nicht einmal wirklich beendet, sondern schwelt trotz massiver Nato-Truppenpräsenz weiter. Menschenrechte werden eben nicht mit Bomben durchgesetzt. Leicht zu durchschauen war, dass es um Menschenrechte nur in der Propaganda ging. Das Schauspiel innerer Zerrissenheit", das uns Leute wie der deutsche Kriegsminister präsentierten, diente vor allem dazu, ein Ziel nicht offen benennen zu müssen, auf das die deutsche Außenpolitik seit Jahren systematisch hingearbeitet hatte: Deutschland auch militärisch endlich zu einem normalen" Land zu machen, aus seiner historisch begründeten Begrenzung herauszuholen und zu verhindern, dass man sich wie im 2. Golfkrieg mit der Rolle des zahlenden Zuschauers zu begnügen habe. Etliche SPD- und Grüne-WählerInnen hatten eine solche Entwicklung natürlich ganz und gar nicht gewollt. Dass ausgerechnet die von ihnen mit so viel Hoffnung begleitete neue Bundesregierung sich dazu hergab, den Krieg hierzulande neuerlich als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln zu etablieren, entsetzte und erschütterte sie zutiefst. Zum großen Aufschrei kam es aber nicht. Während des Krieges schienen die Friedenskräfte in beiden Parteien wie gelähmt, danach versuchte man, so schnell wie möglich zur Tagesordnung zurückzukehren. Vergessen und Verdrängen war angesagt. Was blieb, war die Unfähigkeit, um ernsthafte Reformen, um Schritte zu einer anderen Politik zu ringen. Die Rede von der Politikverdrossenheit, davon, dass die da oben sowieso machen, was sie wollen, machte von Neuem die Runde. Nach der Bundesregierung leistet heute die CDU ihren Beitrag zu diesem Phänomen. Allerdings: Wen wundert es wirklich ernsthaft, dass bürgerliche PolitikerInnen sich nicht um die von ihnen selbst gemachten Gesetze scheren, wenn sie ihnen nichts nützen? Wer ist darüber überrascht, dass PolitikerInnen große Geldsummen annehmen, ohne nach der Herkunft zu fragen, und dann eine Politik betreiben, die den SpenderInnen zurückhaltend ausgedrückt nicht weh tut? Natürlich erfüllt es auch uns mit einer gewissen Schadenfreude, wenn ein selbstherrlicher und machtgeiler Mann wie Helmut Kohl plötzlich nur noch als bockiger Lügner dasteht. Aber führt das Ganze zu etwas Anderem, als dass die wirklich wichtigen politischen Fragen ungestellt und undiskutiert bleiben? Arbeitslosigkeit, Gentechnologie, Atompolitik, das völlig ungehinderte Manövrieren großer Geldströme all diese und viele weitere Themen werden in der öffentlichen Debatte nur noch marginal behandelt. Hinter dem Getöse um den großen Spendenskandal, der die Republik erschüttert, werden die eigentlichen Skandale überdeckt: zum Beispiel, dass die soziale Versorgung armer Menschen immer mehr zusammengestrichen wird, während der Chef der Mannesmann AG sich seinen Abgang mit 60 Millionen Mark vergolden lässt. Argentinien, El Salvador, Kosovo die Reihe ließe sich fortsetzen. Wieder einmal wird deutlich, wie notwendig eine aktionsfähige außerparlamentarische Bewegung ist. Sicherlich könnte man noch weitere Ereignisse finden, die mit dem 24. März verbunden sind. Viele, die vor ein paar Jahren noch auf die Straße gegangen sind, um zu zeigen, dass sie mit den Verhältnissen nicht einverstanden sind, haben sich auf die Rolle des/r resignierten, mitunter zynischen Zuschauers/in zurückgezogen und es aufgegeben, in das öffentliche Geschehen einzugreifen. Nehmen wir den symbolträchtigen 24. März als Anlass zum Widerstand gegen Diktatur und Krieg ebenso wie im Sinne des salvadorianischen Bischofs Oscar Romero zur Hoffnung. P.S.: Schwerpunkt dieser Ausgabe ist der 20. Todestag Oscar Romeros. Er steht nicht wie üblich am Anfang des Heftes, sondern ist als Dossier in der Mitte eingeheftet. Dieses ist auch in größerer Stückzahl gesondert erhältlich, zum Beispiel zur Verteilung bei den Veranstaltungen und Aktionen zum Todestag Romeros. Ihr könnt die Dossiers kostenlos bekommen, über kleine Spenden zur Deckung unserer Unkosten freuen wir uns natürlich.
Berichte & Hintergründe Eine Welt Wirtschaft Kulturszene Ländernachrichten/Poonal 30 Notizen aus der Bewegung Dossier: Oscar Romero Beiträge und Interv. zum 20. Jahrestag der Ermordung des Bischofs von El Salvador am 24. März von María López Vigil, Juan José Dalton, Luis Armando González, Diamantino García Acosta Gerhard Pötter, Georg Stoll, Norbert Arntz, Michael Ramminger, Ludger Weckel, Christoph Klotz (28 Seiten, kann gegen Portokosten getrennt angefordert werden !!!) 2 »Niemals habe ich das Leben so sehr geliebt« Zum Leben von Monseñor Romero von María López Vigil 4 »Als Monseñor starb, weinten wir alle...« Erinnerungen und Reflexionen von Juan José Dalton 6 Wer befahl die Ermordung Romeros? Untersuchungsergebnisse der Wahrheitskommission in El Salvador 8 Ein grundehrlicher Mann Monseñor Romero und die bewaffnete Linke in El Salvador von Luis Armando González 10 Ein Bischof des Volkes Das Zeugnis Oscar Romeros von Diamantino García Acosta 12 Vom Ich zum Wir und zurück Romeros Botschaft ist heute in El Salvadors Kirche in der Defensive von Gerhard Pötter 14 Option für die Armen eine entwicklungspolitische Bilanz. Interview mit Heinz Oelers (Misereor) von Georg Stoll 16 Streitfall Kirche der Armen" Der Konflikt um die Seligsprechung Oscar Romeros von Norbert Arntz 18 Emblem oder Herausforderung? Warum der ermordete Bischof nicht als Patron des neuen Realismus" taugt. von Michael Ramminger und Ludger Weckel 21 Eine Bedrohung für die Mächtigen Interview mit Frère Maurice Barth (Paris) von Christoph Klotz 24 Im Geiste Oscar Romeros. Sieben Romero-Häuser und -Projekte stellen sich vor |