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aus Kolumbien / ila 252

Schurkenstreiche Luftkrieg und Beute
Der Afghanistan-Krieg und die Öl-Interessen
von Helmut Reinicke

Der 11. September wird allerorten zu dem Ereignis gestempelt, das wieder einmal die Welt verändert hat. Afghanistan rückt ins Licht, als sei es bisher von der Landkarte verbannt gewesen. Doch lässt sich feststellen, dass die Regierung Bush Afghanistan keineswegs zur Seite geschoben hatte; im Gegenteil. Unmittelbar nach ihrem Machtantritt entwickelte sie eine rege diplomatische Aktivität, die aus dem speziell engen Verhältnis Bushs zum Öl-Business herrührt. Militärische Optionen waren geprüft und auch die Vorstellung einer Stammesrunde als erweiterte Regierung unter Einbeziehung des Ex-Königs war durchgespielt worden. Durch den 11. September wurde aus banalen Interessen der „Kampf gegen den internationalen Terrorismus“ ein die westliche Zivilisation herausbildendes und zusammenschweißendes Kausalereignis. Ohne größere internationale Widerstände konnte Afghanistan „befriedet“ und „geöffnet“ werden. Für wen wohl?

Das Öl ist seit dem 11. September um 20 Prozent im Preis gefallen. Man schien, auch in der Presse, wenig Interesse am Öl zu haben. Die Bush-Regierung – sowohl der Präsident wie der Vizepräsident kamen aus dem Management der Ölindustrie – favorisierte vorab den Abbau amerikanischer Erdölvorkommen, was einen Eingriff in die nationalen Wildschutzreservate in Alaska bedeutet, aber billiger ist als die geplante Pipeline von Zentralasien ans Mittelmeer durch die Türkei, denn hier sitzen die Kurden. 

Im August 2001 hatte Jan Kalicki – er war für die Clinton-Regierung Koordinator für Energie und Handel mit den zentralasiatischen Republiken – die Bush-Regierung aufgefordert, sich um die Erdölvorkommen Zentralasiens zu kümmern. Das Regierungsprogramm von Bush hatte ein Anwachsen von „Energiesicherheit“ gefordert, also den weiteren Zugriff auf billige Energiequellen wie Öl, Erdgas oder Atomkraft (wenn der Staat subventiniert und mensch über den Abfall großzügig hinwegsieht; d.Säz.in). Das Repräsentantenhaus, Republikaner wie Demokraten, stimmte ebenfalls im August den meisten der Vorhaben zu, zuzüglich einer 33 Milliarden Dollar teuren Steuernachlassprämie für die Ölindustrie. Wo soll das viele Geld hinfließen?

Saudi-Arabien, gegenwärtig noch der größte Erdölproduzent, wird auf verbleibende 30 Milliarden Barrels geschätzt. Die USA haben den Hegemonialanspruch auf dieses Öl. Diese engen Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien rühren vom Treffen Präsident Roosevelts mit König Ibn Saud 1945; das Treffen steckte die Fronten ab für die kommenden Auseinandersetzungen des Kalten Krieges. Roosevelt sicherte sich den unbegrenzten Zugriff auf das arabische Öl und bot im Gegenzug den Saudis Schutz gegen innere und äußere Feinde. Hiermit beginnt die Geschichte, die mittlerweile zur globalisierten Terrorismuskampagne gegen Afghanistan, vulgo Bin Laden, führte. Das Öl des Persischen Golfs wird von den Vereinigten Staaten als Basis ihrer Sicherheit beansprucht. Dieser Machtanspruch geht zumal zurück auf die „Carter Doktrin“ vom 23. Januar 1980, in der Präsident Carter nach der iranischen Revolution erklärt hatte: „Jeder Versuch einer fremden Macht, die Kontrolle über den Persischen Golf zu gewinnen, wird als Angriff auf die lebenswichtigen Interessen der USA angesehen und mit allen notwendigen Mitteln, einschließlich militärischer Gewalt, zurückgeschlagen.“

Die Carter-Doktrin war somit die legitimatorische Grundlage für die Operation „Desert Storm“, die Präsident Bush sen. vom Stapel brach, und für die folgende Expansion der Militärstärke der USA durch die Clinton Regierung. Saudi-Arabien weist zwar die größten Erdölvorkommen auf; es befindet sich allerdings – was mit dem US-Geschäft seit 1945 und seinen hieraus resultierenden inneren Feinden zusammenhängt – in einer sozialen Krise. Vor allem die Sicherung gegen den inneren Feind, die eigene Bevölkerung, ist mittlerweile brüchig geworden. Saudi-Arabien ist eine Krisenregion, nicht nur wegen des Versuchs, über die Bin Laden angelasteten Angriffe auf die US Militärpräsenz die Amerikaner aus dem Lande zu jagen, als vielmehr wegen der unumschränkten Herrschaft einer korrupten Öloligarchie, gestützt auf den Dollar und die Omnipräsenz des US-Militärs am Persischen Golf: 50 Milliarden Dollar des jährlichen Militärbudgets wurden für die Streitkräfte verausgabt, die zum Schutze des arabischen Öls und der entsprechenden Schiffahrtswege eingesetzt waren.

Die Bedeutung Afghanistans

Die US-Außenpolitik verdankt sich den Werten des Freien Westens; mittlerweile vertritt sie eine ganze zivilisierte Welt. Diese Werte der USA sind ihre Kapitalwerte, und diese werden gesichert und gehoben durch „Energiesicherheit“, also dem hegemonialen Zugriff auf Erdöl, Erdgas und Atomkraft. Es ist, wie beim Golfkrieg, wieder einmal das Erdöl hinter dem gegenwärtigen Luftkrieg. Diesmal freilich ist die Sache etwas gewundener. Sicher gibt es in Afghanistan Öllager. Schon in den dreißiger Jahren erfolgte eine erste Explorationsphase durch Ölaustritte aus dem Miozän westlich von Herat, in Nordafghanistan. Zu einem ersten Gasfund kam es 1961; hieraus wurde das Gasfeld Etymtak entwickelt. Die Fündigkeitsrate war Ende der 80er Jahre für Erdgas und Erdöl zufriedenstellend. Die kumulative Förderung der Erdgaslagerstätten Chodshakuherdagh und Dsharkuduk – so die Studie von J. W. Samsonov 1994 – betrug bis Ende 1989 50 Milliarden Kubikmeter. Nahezu die gesamte Produktion wurde in die Sowjetunion exportiert. Insgesamt allerdings werden die potentiellen Eröl- und Erdgasvorräte Afghanistans nur als mittelmäßig bewertet. 

Dagegen sind seit Anfang der neunziger Jahre – dem Zerfall der Sowjetunion – die in Zentralasien, vornehmlich in Turkmenistan, Kasachstan und Aserbeidschan entdeckten Öl- und Gasvorräte der Gegenstand von großkarätigen Geschäftsspekulationen. Der Machtkampf zwischen den USA, Russland und Westeuropa um die Absteckung von Claims und Einfluss in den respektiven Ölstaaten sowie um die Türkei und den Iran als Zugangsländer hatte begonnen.  In der kaspischen Region sollen 85 Milliarden Fass Erdöl lagern – 20 Prozent der Erdölvorräte insgesamt – und 11 Milliarden Kubikmeter Erdgas; in der Nordsee 27 Milliarden Fass Öl und fünf Milliarden Kubikmeter Gas, auf der arabischen Halbinsel 30 Milliarden Fass Öl und 41 Milliarden Kubikmeter Gas. Sollten die letzteren Vorkommen wegen einer Krise ausfallen, wären die kaspischen Vorkommen Garant für die weitere Vormachtstellung der USA. In diesem Kontext ist auch die neue Bedeutung Chinas zu sehen, zumal seine Anhebung durch Bush in die Reihen der „zivilisierten Welt“. China – es will mit dem Bau einer 2500 km langen Pipeline von Xinjiang nach Schanghai beginnen – befindet sich in der Region in Konkurrenz mit Russland und den USA. Immerhin werden um 2050 mehr als 80 Prozent des Erdöls aus Zentralasien kommen. 

Pipelines

Der 11. September soll die Welt verändert haben. Jedenfalls, so kann man resümieren, hat er die „zivilisierte Welt“ aufs Feld gebracht zu einem der wohl gigantischsten Finanz- und Beutedeals aller Zeiten. Denn der 11. September legitimierte, gegen den Rest der Welt auszuziehen, gegen die „Barbaren“; ein eigentümlicher Volksstamm, den nach den Griechen – bei ihnen waren es die Skythen, die den Nektar aus den Schädeln Erschlagener tranken – so recht niemand mehr brauchte. Auch nicht zum Überfall auf die Neue Welt, denn den dortigen Einheimischen wurde kurzerhand ihr Menschsein aberkannt; so konnten die Europäer sie rücksichtsloser abschlachten. Nun tauchen die Barbaren plötzlich wieder auf. Bis zum 11. September waren sie noch keine Barbaren und man hat mit ihnen verhandelt und wollte Geschäfte machen. Von diesen Geschäften will vorerst niemand etwas wissen, allein, hier liegt die ökonomische Logik des Luftkrieges.

Als die Barbaren noch Taliban waren, erschienen sie als brauchbare Handelspartner. Mehr noch. Im Januar 1995 waren sie ins Feld gerückt, zugerüstet und gekauft vom CIA und dem pakistanischen Geheimdienst für einen höheren Zweck: Unumwunden erklärte Michael Bearden, CIA-Vertreter in Afghanistan während des sowjetischen Krieges, es sei nun Zeit, die Pipeline zu bauen. Dahinter stand die US-Öl-Korporation Unocal, deren Vizepräsident Chris Taggert auf Anerkennung der Taliban durch die Clinton-Regierung setzte. Es ging um den Bau einer Pipeline aus Turkmenistan durch Afghanistan und Pakistan und die Küste des Indischen Ozeans. Für die Ölgeschäfte seien die Taliban gute Geschäftspartner, so war die Devise der US-Ölmanager.

Allein in Kasachstan, der zweitgrößten Republik der ehemaligen Sowjetunion, werden 50 Milliarden Barrels unter der Steppe vermutet. Dies sind die größten unangezapften Ölreserven der Welt. Die Ökonomie von Kasachstan brach nach der Unabhängigkeit zusammen; Hungersnöte reduzierten die Bevölkerung. Der Präsident Nursultan Nasarbajew, ehemaliger Vorsitzender der kommunistischen Partei seines Landes, hat sich bereits mit den US-Amerikanern gut gestellt und kann deshalb sein Öl nicht durch den Iran laufen lassen, was die kürzeste Route wäre. Die Clinton-Regierung hatte versucht, die Iraner aus dem Geschäft herauszuhalten sowie den Einfluß Russlands zurückzudrängen. Dies erforderte andere Transportmöglichkeiten des Erdöls als über den Iran an den Indischen Ozean oder über Rußland nach Westeuropa. Die Russen hatten Hilfe angeboten; sie wollten eine Pipeline von Kazakh zum Schwarzen Meer bauen. Hiergegen sprach allerdings die Erfahrung von Turkmenistan, dessen Öl die Russen abzapften, ohne dafür zu bezahlen. Das Projekt, eine Pipeline durch China zu bauen, scheitert vorerst an den Kosten für die Entfernung von nahezu 9000 km. 

Im März 1995 wurde von Turkmenistan und Pakistan das Cent Gas Projekt unterzeichnet, Im August 96 wird die Central Asian Gas Pipeline Ltd. von Marty Miller, dem Vizepräsidenten der Unocal Corporation als „ein neuer Meilenstein“ gefeiert. Speziell zu den Dauletabad-Feldern und ihrer Ausbeute durch den Transport nach Pakistan und Indien führt er aus: „Kein anderes Import-Projekt kann solche Volumen an natürlichem Gas zu diesen Märkten zu einem derart billigen Preis liefern.“ Es kommt zu „humanitären“ – also militärischen – Abkommen der US-Regierung mit Kasachstan, Kirgisien und Usbekistan, wo militärische Übungen veranstaltet werden, gemeinsame Manöver dann 1997 und 1998.

Im Oktober 1997 wird in Ashgabat, Turkmenistan, der Vertrag über die Central Asia Gas Pipeline mit Unocal unterzeichnet. Die Gruppe will mit einer 1271 km langen Pipeline die Gasvorkommen Turkmenistans nach Pakistan pumpen. Die Unocal Corporation feierte diesen Zusammenschluss als „wirklich bedeutenden Schritt“. Die Regierung Turkmenistans hatte der Unocal die Leitung des Projekts zugesagt, das neue Handelskorridore eröffnen und „die Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“ werden sollte. Die beiden wichtigsten Länder für dieses Projekt, Turkmenistan und Pakistan, hielten sieben und 3,5 Prozent der Anteile; Unocal 46,5 Prozent und Delta-Oil (Saudi-Arabien) 15 Prozent. Unocal ist einer der größten Energielieferanten der Welt und verfügt u.a. über Ölfelder in Asien und am Golf von Mexico, Delta Oil vereinigt allerlei Energie-, Nahrungsmittel-, Verpackungs- oder Landwirtschaftsindustrien. Es ist wiederum mit dem US-Ölsyndikat familial verquickt, doch dies später.

Ein Anschluss Turkmenistans via Afghanistan würde den russischen Einfluss zurückdrängen; Kasachstan und Turkmenistan waren bisher vom russischen Transportmonopol abhängig. Die Dauletabad-Felder können dreißig Jahre lang 15 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr liefern. Die Regierung von Turkmenistan garantiert die Lieferung von 708 Milliarden Kubikmeter exklusiv für die zentralasiatische Gas-Pipeline. Die geplante Pipeline von 1271 km wird von der Afghanistan-Turkmenistan-Grenze der Herat-Kandahar-Straße durch Aghanistan folgen bis zum Anschluss an das existierende Pipeline-System in Multan, Pakistan. Die „Central Asia Gas Pipeline, Ltd.“ folgert: „Afghanistan wird sowohl durch den Bau der Pipeline wie während des Verlaufs des Projekts ausnehmenden ökonomischen Nutzen ernten“ (Ashgabat, Turkmenistan, Okt. 27, 1997). Auf Einladung von Unocal reist dann im November '97 eine Delegation der Taliban in die USA; und im Dezember wird an der Universität von Omaha, Nebraska, eine Ausbildungsstätte für Afghanen eröffnet, die im Pipelinebau unterwiesen werden.

Im Januar 1998 wird zwischen Pakistan, Turkmenistan und den Taliban der Vertrag unterzeichnet, die Pipeline zu bauen; sie soll zwei Milliarden Dollar kosten und pro Tag 1,9 Milliarden Kubikfuß Gas von Dauletabad in Turkmenistan nach Pakistan liefern. Im Februar tritt Bin Ladens Al-Quaida-Bewegung ans Licht. Im März zögert Unocal wegen des Bürgerkrieges, an der Fertigstellung des Projekts mitzumachen; auch Russland zieht sich zurück. Im Juni 1998 besaßen Unocal und Delta 85 Prozent der Anteile von CentGas. Im Dezember 1998 gab Unocal nach den amerikanischen Luftschlägen gegen ein vermeintliches Ausbildungslager von Terroristen den Pipelinebau auf.  Unocal betonte mit Nachdruck, dass es bis zum Einsetzen einer international anerkannten Regierung nicht weitermachen wolle. Neben dieser Gas-Pipeline hatte Unocal noch den Bau einer 1000 Meilen Öl-Pipeline mit einer täglichen Kapazität von einer Million Barrel von Tschardzaú, Turkmenistan, zur pakistanischen Küste, via Afghanistan, das Central Asian Oil Pipeline Projekt, geplant. Die US-Regierung setzt nun erneut auf eine Pipeline vom Kaspischen Meer durch Aserbaidschan und Georgien in die Türkei nach Ceyhan. Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit von Bechtel, GE Capital und Royal Dutch Shell geplant. Immerhin wäre das Öl dann durch ein Nato-Land geflossen. Allerdings hätte dieser Pipelinebau durch das türkische Krisengebiet der Kurden geführt. Wegen des erforderlichen militärischen Schutzes und der erheblichen Kosten kam es zu Klagen in der Ölindustrie. 

In Afghanistan wurde 1999 mit Reparaturen von Pipelines begonnen, nachdem die Taliban-Regierung 1998 angekündigt hatte, die Nationale Öl Com. Afghanistans, die von den Russen aufgelöst worden war, wieder einzurichten. Im April 1999 kamen Pakistan, Turkmenistan und die Taliban überein, das Turkmenistan-Pakistan-Gas-Pipeline-Projekt wieder aufzunehmen; da sich Unocal zurückgezogen hatte, in Zusammenarbeit mit dem CentGas-Konsortium, das vom saudischen Delta Öl angeführt wurde. 

Die Pipeline zum Nato-Land Türkei blieb offiziell US-Favorit; auch die BRD klinkte sich in die Debatten ein. Gerhard Schröder beim Staatsbesuch in Tiflis, Georgien: „Der Transport von Öl und Gas zu den Weltmärkten ist eine strategische Frage. Die politische Entscheidung zum Bau der Pipelines von Baku nach Ceyhan hat die Bedeutung Georgiens für jedermann sichtbar gemacht.“ Die Ingenieursarbeiten sollen im Juli 2002 beginnen. In der „Wochenzeitung“(Zürich) hieß es vor kurzem: „Das amerikanische Königsprojekt, eine Pipeline von Baku in Aserbaidschan über Georgien nach Ceyhan an der türkischen Mittelmeerküste, wird nach mehrfachen Verzögerungen nun vielleicht doch gebaut. Damit wäre aber weder Kasachstan noch Turkmenistan jenseits des Kaspischen Meeres geholfen, die weiterhin vom russischen Transportmonopol abhängen.“ Das ist allerdings nur die eine – sehr kostspielige – Variante. Die Regierung Bush mit ihren Geschäftsleuten des Öl-Syndikats liebäugelten mit dem Unocal Projekt. Nach Bushs Regierungsantritt sorgten die Erdölgeschäftsleute in seiner Regierung umgehend dafür, dass das Pipelineprojekt in Afghanistan weiterbetrieben wurde. Hierzu bedurfte es allerdings eines „befriedeten“ Landes sowie einer willfährigen Regierung. Beide Bedingungen erbombt der Luftkrieg. 

Am 24. September 2001 kündigte George W. Bush die Attacke auf das finanzielle Netz Bin Ladens an. Der Präsident hatte allerdings bei dieser Ankündigung nicht erwogen, dass einige eigene Dollar-Millionen dem Schicksal des Einfrierens zum Opfer fallen müssten. Wayne Madsen berichtete in „In These Times“ über die Verquickung der Bush-Gelder mit Geschäften im Umkreis von Bin Laden. Ein Bruder von Osama Bin Laden, Salem Bin Laden, hatte bereits 1979 über den Texaner James Bath, ein Freund der Bush-Familie und sein US-Geschäftsvertreter, 50 000 Dollar an Arbusto Energy, eine Bush-Firma, gezahlt. James Bath wiederum, auch ein Freund der Bin Ladens, ist einer der Hauptakteure der Bank of Commerce and Credit International (BCCI), die Bin Laden finanzierte. Die Bank unterstützte geheime CIA-Aktivitäten, wie die Finanzierung von afghanischen Mudschaheddins oder nicaraguanischen Contras. Die Bank wurde außerdem bekannt durch Betrugsgeschäfte; so wurden in den achtziger Jahren die Anleger um zehn Millarden Dollar geprellt, was der Manhattan District Attorney Robert Morgenthau den „größten Bankbetrug in der Finanzgeschichte“ nannte. Als Salem Bin Laden 1988 starb, übernahm der saudiarabische Banker und BCCI-Vorstand Khalid Bin Mahfouz dessen Interessen in Houston, Texas. Bin Mahzoufs Schwester ist eine Frau von Osama Bin Laden. James Bath hatte Geschäfte für Bin Mahfouz in Houston übernommen und trat dann in eine Partnerschaft mit Bin Mahfouz und Gaith Pharaon ein, dem Hauptvertreter von BCCI an der Houston Main Bank. Aus der Arbusto Energy wurde 1986 die Harken Energy Corporation – immer noch mit Bush sen. als Hauptgeschäftsführer. 

Als ein Jahr später die Harken Corporation in Schwierigkeiten kam, kaufte der Saudi Sheik Abdullah Taha Bakhsh einen Anteil von 17,6 Prozent an der Corporation. Bakhsh wiederum war ein Geschäftspartner von Pharaon in Saudi Arabien und sein dortiger Banker war Bin Mahfouz. Weiter ist die Bush-Familie eng und nachhaltig mit dem Botschafter Saudi Arabiens, zugleich Doyen des diplomatischen Corps, in Washington befreundet. James Bath wurde 1992 wegen seiner saudiarabischen Geschäftsbeziehungen vom FBI wegen des Verdachts überwacht, saudisches Geld über Houston in die Reagan- und Bush-Regierung geschleust zu haben. Bin Mahfouz, Geschäftspartner des Bush-Clans, soll das Bin-Laden-Netzwerk finanziert haben. Nach „USA Today“ soll Bin Mahfouz versucht haben, mit anderen saudischen Geschäftsleuten 1999 drei Millionen Dollar an verschiedene Bin-Laden-Deckorganisationen zu überweisen. „ABC News“ berichtete im selben Jahr, dass offizielle Saudis Bin Mahfouz daran gehindert hätten, Gelder direkt an Bin Laden gelangen zu lassen. Die Investmentgeschäfte von Bin Laden wurden hauptsächlich über die Al Shamal Islamic Bank abgewickelt, dann über die Dubai Islamic Bank, worüber CIA-Gelder an Bin Laden flossen. Andreas von Bülow, früherer Bundesminister, fasst zusammen: „Bin Laden ist ein Produkt der CIA, geschaffen zunächst im Kampf gegen die Sowjetunion.“

Schurken-Syndikat

Bush sen. ist Teilhaber an der Carlyle Group in Washington, eine 12 Milliarden Dollar starke internationale Anlegerfirma. Hier hinein gehören Republikaner wie Frank Carlucci, Jim Baker und Richard Darman. Die Carlyle Group arbeitet für die Bin-Laden-Familie in Saudi Arabien. Bush ist auf Asien spezialisiert und war immer wieder nach seiner Präsidentenzeit in Saudi Arabien und Kuweit auf Geschäftsreisen. Carlyles Schwerpunkte liegen in der Rüstungs- und Telekommunikationsindustrie sowie Nahrungsmittelfirmen. Bush sen., Jim Baker sowie Präsident Bush haben ein Interesse daran, wer die Regierung in Afghanistan bildet. Die Carlyle Connection bedeutet, dass Bush sen. auf dem Lohnzettel privater Anleger steht, die Rüstungs- und Ölgeschäfte betreiben, während sein Sohn Präsident ist. Gemäß dieser Geschäftslogik könnte George W. Bush, der Präsident, eines Tages nach Maßgabe seiner Regierungsentscheidungen aufgrund der Investmentgeschäfte seines Vaters finanziellen Nutzen ziehen. Es liegt zugleich auf der Hand, dass die Bush-Regierung mit ihren weitverzweigten Öl- und Erdgasinteressen keine Neigung verspürt, das Abkommen von Kyoto über die Verminderung der Luftverschmutzung zu unterschreiben. 

Dass der Ölgeschäftsmann Bush sen. auch CIA-Direktor (1976/77) war, gehört zu den Schönheiten des Schurken-Syndikats. Der CIA hat die wahnwitzigsten Verbrechen und Terroranschläge in seiner Buchführung; nicht alle sind gelungen, Fidel Castro ist immer noch am Leben. Es ist die Einheit von Politik und Ökonomie – 1953 stand der CIA hinter dem Sturz des iranischen Premierministers Mohammed Mossadegh, der die Ölvorräte des Landes verstaatlichen wollte, usw., usw. In der Bush-Regierung sitzen CIA-Vertreter mit Afghanistan-Erfahrung sowie Öl-Geschäftsleute mit Afghanistan-Erfahrung. Es hatte sich also schon lange vor dem 11. September einiges über Afghanistan zusammengebraut. Ahmed Rashid, Experte für Zentralasien, argumentiert, dass die USA und Pakistan bereits 1994 versuchten, in Afghanistan ein Regime zu installieren, das den Bürgerkrieg beenden und damit die Sicherheiten gewährleisten würde, um die Unocal-Pipeline in Angriff zu nehmen. Dies sollte die Aufgabe der Taliban sein. Alle Taliban-Regierungsvertreter wurden bis 1999 von US-Geldern finanziert. Schon 1997 waren Taliban-Vertreter von Unocal nach Houston Texas eingeladen worden.

Am 5. Februar 2001 – Bush hatte gerade die Präsidentschaft angetreten – gab es eine Erklärung des Außenministers der Taliban, Abdel Wakil Mutawakil, in der er die Auslieferung Bin Ladens in Aussicht stellte und der Bush-Regierung Verhandlungen anbot. Am Tag darauf organisierte Laila Helms, afghanischer Abstammung und die Nichte Richard Helms', Ex-Direktor des CIA, den Besuch des Sonderbotschafters Sayed Rahmatullah Hasshimi, des Vertreters von Taliban-Chef Mullah Omar. Nach dem Bericht des Generalsekretärs der UNO, Kofi Annan, vom 14. August 2001 gab es mit den Bürgerkriegsparteien von April bis Juli fünf Zusammenkünfte. Francesc Vendrell war persönlicher Vertreter des UNO-Generalsekretärs sowie Spezialbeauftragter für Afghanistan. Wie aus dem Bericht des Generalsekretärs hervorgeht, war Vendrell in verschiedenen Missionen tätig, er führte Verhandlungen in den Anrainerstaaten wie mit Washington – hier mit Christina Rocca, aus dem State Department, 1982-87 Mitarbeiterin der CIA für Südostasien –, mit der britischen Regierung und Russland sowie mit dem Ex-König von Afghanistan, der ebenso Delegationen nach Russland, den USA und England geschickt hatte. Taliban-Vertreter waren am 17. und 20. Juli 2001 zu Geheimverhandlungen in Berlin eingeladen. Bereits im November 2000 und März 2001 hätten sich altgediente Diplomaten in Berlin um Francesc Vendrell getroffen. Im Juli, während des G8-Treffens, wurde ebenfalls die Bedrohung aus Afghanistan durch den Terrorismus behandelt.

Vornehmlich die Öl- und Erdgasindustrie stand hinter der Finanzierung der Wahlkampagne von Bush; eine übermäßige Anzahl von Regierungsvertretern kommt aus dem Energiegeschäft. Vizepräsident Richard Cheney war von 1995 bis 2000, also bis zu seiner Übernahme der Wahlkampagne von Bush, Direktor von Halliburton, des weltgrößten Erdölkonzerns. Der Konzern umfasst die üblichen Subunternehmen wie Bohrinseln oder Pipelinebau. Cheney ist im Besitz der Aktienmehrheit. Direktorin des Sicherheitsrats – und damit Chefin der Geheimdienste – ist Condoleeza Rice, die von 1991 bis 2000 für Chevron als Direktorin arbeitete. Sie hatte bereits für den Sicherheitsrat unter Bush sen. gearbeitet, und zwar als Sowjetologin namentlich über Zentralasien, hier wiederum mit Schwerpunkt Kasachstan, wo Chevron im Ölgeschäft verankert ist. Im State Department sitzt als Direktorin für asiatische Angelegenheiten jene alte CIA-Mitarbeiterin, Christina Rocca; sie hat von 1982 bis 1997 Geheimdienstaktionen in Zentralasien geleitet, wie Raketenlieferungen an die Mudschaheddin.  Kathleen Cooper, Wirtschaftsministerium, war Wirtschaftschefin bei Exxon. Donald Evans, Wirtschaftsministerium, oder Spencer Abraham, Sekretär für Energie, kommen aus der Öl-Industrie. Sollte alles gut gehen, wird der spätere Ex-Präsident einmal viel an dem verdienen, was er und seine Geschäftsfreunde in der Regierung jetzt anrichten. Mit oder ohne den Kopf des alten Geschäftsfreundes Bin Laden. (geschrieben im November 2001)

P.S.: Die „New York Times“ vom 15. Dezember 2001 zitiert Matthew J. Sagers vom „Cambridge Energy Research Associates“: „Once we bomb the hell out of Afghanistan, we will have to cough up some projects there, and this pipeline is one of them.“ 

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