HAITI-DOSSIER
Liebe FreundInnen, liebe KollegInnen,
nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti ist die internationale
Hilfsmaschinerie angelaufen. Das ist auch gut so, denn die Opfer der verheerenden
Katastrophe brauchen dringend medizinische Hilfe, alle Menschen in der
Umgebung von Port-au-Prince benötigen sauberes Trinkwasser und
Nahrungsmittelhilfe.
So notwendig die internationale Hilfe für Haiti ist, muss dennoch die
Frage nach deren Rahmenbedingungen gestellt werden. Die internationalen
Mainstream-Medien feiern es als großen Fortschritt, dass US-Marines den
Flughafen von Port-au-Prince übernommen haben und dass ein US-Flugzeugträger
vor der Küste von Haiti kreuzt. Die Regierung Haitis sei ja gar nicht in
der Lage, die Hilfsmaßnahmen sinnvoll zu koordinieren, da müssten jetzt die
Profis, sprich die Militärs aus Europa und den USA ran.
Richtig ist, dass viele Regierungsgebäude zerstört sind, ebenso das
Hauptquartier der haitianischen Polizei. In einer solchen Situation mag es
Sinn machen, wenn US-Militärs kurzfristig die Logistik eines Flughafens
gewährleisten oder zivile Hilfslieferungen auch von Kriegsschiffen nach
Haiti gebracht werden. Ob dies so sein muss, können wir von hier aus
nicht beurteilen.
Was wir aber sehr wohl können, ist auf die grundsätzliche Problematik
der Militarisierung ziviler Hilfe hinzuweisen. Militärs sind keine
Katastrophen- und Entwicklungshelfer, ihre Aufgabe ist die militärische
Sicherung politischer, wirtschaftlicher und militärischer Interessen
ihrer Entsendeländer. Die Hilfe für die notleidenden Menschen in Haiti,
muss von den demokratisch legitimierten haitianischen Institutionen
geleistet werden. Nach der Erdbebenkatastrophe ist es die Aufgabe der
internationalen Gemeinschaft, sie baldmöglichst in die Lage zu versetzen,
diese Aufgabe zu übernehmen und ihnen die dafür notwendigen Ressourcen
zur Verfügung zu stellen.
Uns ist durchaus bewusst, dass es in Haiti zahlreiche politische Probleme
gibt, dass viele öffentliche Institutionen nicht so funktionieren, wie
sie funktionieren sollten. Aber daraus die Konsequenz zu ziehen, man könne
Regierung und Verwaltung Haitis einfach ignorieren, weil sie sowieso
"korrupt" seien und Haiti "ein zerfallender Staat"
sei, ist inakzeptabel. Vor allem die Konstruktion "zerfallender
Staat", die offiziöse Politikwissenschaftler geprägt haben, wird
zur Legitimation jeglicher
neokolonialer Einflussnahme benutzt.
Die bisherigen Erfahrungen mit militärisch-zivilen internationalen Großeinsätzen
in so genannten "zerfallenden Staaten" sind ja keineswegs überzeugend.
Weder im Kongo, noch in Somalia, in Afghanistan und auch nicht in Haiti,
wo seit Jahren tausende US-Soldaten stationiert sind, konnte eine
nachhaltige Befriedung und Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen
erreicht werden. Vielmehr haben sich die politisch-militärischen
Konflikte teilweise weiter verstärkt. Grundlegende Verbesserungen wurden
nicht dort erreicht, wohin Truppen entsandt wurden, sondern dort - wo häufig
unter internationaler Moderation und begleitet von zivilen UN-Missionen -
bewaffnete Konflikte durch Verhandlungslösungen beendet wurden.
Hier ein kleines Dossier (pdf-Dateien) von Beiträgen zu Haiti, die zwischen März 2006
(ila 292) und Dezember 2009 (ila 331) in der ila erschienen sind.
Darin wird sowohl die politische Entwicklung der letzten Jahre skizziert,
als auch der Sinn und Unsinn der bisherigen UN-Mission in Haiti kritisch
hinterfragt, insbesondere in den Beiträgen der aus Äthiopien stammenden
belgischen Kollegin Tsigereda Walelign in der ila 303 und des
uruguayischen Kollegen Raúl Zibechi in der ila 304. Betrachtet bitte die
angehängten Texte als Beiträge zu einer dringend notwendigen Diskussion.
Internationale Hilfe für Haiti ist dringend notwendig, aber sie darf
nicht zu einer erneuten Kolonisierung Haitis führen!
Die ila-Redaktion
ila 332/Feb 10
Einer
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sollen wir denn hin?
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293/März 06 René Préval gewinnt die Präsidentschaftswahlen
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Interview mit Camille Chalmers von der Plattform für Alternative
Entwicklung (PAPDA)
ila 303/März 07 Die
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ila 304/April 07 Debatte um
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ila 318/Sept 08 Die neue Premierministerin wird einen schweren Stand haben
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08 Michèle Pierre-Louis sucht für Haiti einen Ausweg aus der
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