aus
LGBT / ila 305
Vergesst die
Nebenkriegsschauplätze
Interview mit Rafo Puente, Ex-Vize-Innenminister
Boliviens
Einen Lügner hatte Rafo Puente den Präsidenten
Paraguays genannt. Da musste er gehen. Die drohenden diplomatischen
Verwicklungen und journalistischen Attacken wären für die MAS-Regierung
zu gefährlich gewesen. Der Vize-Innenminister sah das ein, wenn er auch
in der Sache bis heute nicht nachgibt. Er hatte dem Asylgesuch zweier
Paraguayer stattgegeben, weil sie politische Flüchtlinge seien, keine
gemeinen Kriminellen. Heute übersetzt der ehemalige Student aus Pullach
wieder Bücher aus dem Deutschen. Und er leitet eine Stiftung für
politische Bildung. Im Gespräch macht er den Eindruck, das sei viel eher
sein Metier als der Alltag eines Vize-Innenministers.
Sie haben sich aus der aktiven Regierungspolitik in Bolivien
verabschiedet. Haben Sie auch das Handtuch im Hinblick auf grundsätzliche
Veränderungen in Bolivien geworfen?
Keineswegs. Ich habe mir schon als Abgeordneter der Izquierda Unida
(Vereinigte Linke) geschworen, keine Kröten zu schlucken. Das war natürlich
in der Opposition noch einfacher. Meine Entscheidung pro politisches Asyl
für zwei Paraguayer war fundiert und richtig. Aber ich stand mit meiner
Meinung in der Regierung allein da. Als die paraguayische Regierung
protestierte und die beiden jungen Leute als Verbrecher ausgab,
kapitulierte meine Regierung und wollte aus Staatsräson ausliefern. Glücklicherweise
konnten die Paraguayer fliehen und ich hatte ein ruhiges Gewissen. Aber
zwei Monate später sagte ich in einem Presseinterview, die Beweise gegen
die beiden seien gefälscht und erlogen gewesen. Das war's. Aber ich bin
nicht mit Ranküne gegangen und habe keine Pressekonferenz einberufen, um
meine Entscheidung zu belegen. Das hätte der Regierung geschadet. Eine
Woche später bat mich der Präsident, ein landesweites Programm zur
politischen Bildung sozialer Organisationen zu leiten. Das ist meines
Erachtens im Grunde derzeit das Wichtigste. Und außerdem kann ich das am
besten, viel besser, als mich als Vize-Innenminister mit der Polizei
anzulegen. Das ist weiter meine Regierung, aber das enthebt mich nicht der
Pflicht sie zu kritisieren, wenn es nötig ist.
Nach 14 Monaten Regierung Evo Morales hat es den Anschein, dass noch
lange nichts gewonnen ist. Das Land ist nach wie vor tief gespalten. Wo
liegen die Gründe?
Ich würde insbesondere zwei Aspekte nennen. Erstens: Man darf sich keine
Illusionen machen, Konfrontationen sind unvermeidlich. Die Machtgruppen im
Land sind heute in der Opposition, sie sind symbolisch besiegt, ihre Führer
spielen keine ernst zu nehmende Rolle mehr, weil sie kein konkretes
politisches Konzept vorlegen können. Aber der größte Teil der realen
Macht ist weiterhin in ihrer Hand: die Wirtschaft, ein Teil der
politischen Macht (z.B. auf der Ebene der Provinzregierungen, G.K.) und
fast alle Medien. Innerhalb dieser Machtgruppen ist eine, die ich prämodern
nennen würde, die sich der offenen Gewalt bedient, nämlich die Großgrundbesitzer
aus dem Tiefland. Am stärksten sind sie in Santa Cruz, aber sie sind auch
im Beni und im Chaco präsent. Diese Leute kämpfen nicht mit
rechtsstaatlichen Argumenten, mit Anwälten oder wenden sich an
internationale Gerichtshöfe, sondern mit Steinen, Schaufeln und, wenn nötig,
Kugeln. Der Podemos-Senator Yáñez aus dem Beni hat in einer Gesprächsrunde
mit dem Vize-Minister für Landangelegenheiten wörtlich gesagt: „Ihr
werdet uns noch zwingen, unser Leben für unser Land zu geben“. Das war
gelogen, er selbst macht sich nicht die Finger schmutzig, aber wir wissen
alle, dass sie arme junge Leute rekrutieren, damit sie im Ernstfall ihr
Leben für sein Land geben.
Es gibt Machtgruppen, die einfach nicht wahrhaben wollen, dass die Zeit
ihrer unangefochtenen Privilegien vorbei ist. Man könnte sagen,
Privilegien aus 500 Jahren, oder zumindest aus 185 Jahren Republik, davon
die letzten 20 Jahre mit einer schier unglaublichen Unverschämtheit. Am
sichtbarsten ist das beim Landbesitz. Dieser Tage hörte ich noch von
einer Frau, die drei Konzessionen von 2000, 3000 und 5000 Hektar hat,
Konzessionen, die ihr ihr Ehemann gewährte, als er Mitglied in einer
Militärregierung war. Diese Leute sind überzeugt, dass Bolivien ihre
Finca ist und dass Indígenas Menschen zweiter Klasse sind. Meine Nachbarn
erzählten mir von dem Großgrundbesitzer Pereira – der Name soll ruhig
fallen –, der die Zäune eines Indígenareservats durchschnitt, damit
seine Kühe dort weiden können. Die Chiquitanos zeigten ihn an, und
Pereira ereiferte sich im Gerichtssaal wörtlich: „Seit wann sind Indígenas
mehr wert als meine Kühe?“ Im Jahre 2007 gibt es noch Haciendas, auf
denen Guaraníes als Sklaven gehalten werden.
Solche Leute sind der harte Kern der Gegner, und sie sind weiterhin sehr mächtig.
Die anderen, die landwirtschaftlichen Unternehmer, die Unternehmer im Ölgeschäft
oder die Industriellen, bedienen sich moderner Methoden, mit denen kann
man umgehen.
Mit dem harten Kern ist schlicht keine Übereinkunft möglich. All die
gutgemeinten Ratschläge aus der Kirchenhierarchie oder von politischen
Analysten oder aus sozialen Organisationen, wir sollten nicht auf
Konfrontationskurs gehen, wir müssten alle an einen Tisch holen und den
Konsens suchen, übersehen, dass das unmöglich ist. So kommen wir nicht
zum Ziel. Wir haben nur die Wahl zwischen einer gewaltsamen Lösung, die
keiner will – na ja, es gibt immer ein paar Verrückte auf beiden Seiten
–, oder einer Verfassunggebenden Versammlung. Aber einer, die nicht auf
Einstimmigkeit, sondern auf Mehrheit und Minderheit setzt. Am Ende wird
nicht geschossen, sondern abgestimmt.
Der andere Punkt, auf den ich eingehen wollte, sind die Schwächen des
Prozesses. Eine stellvertretende Senatorin, eine Intellektuelle, die
jahrelang mit Nichtregierungsorganisationen gearbeitet hat, sagte mit kürzlich:
„Schau, Rafo, letztlich ist das die Stunde der Indígenas. Das muss man
einfach anerkennen, einschließlich des Rechts auf Irrtum, des Rechts zu
lernen. Ist doch klar, dass man beim ersten Mal in der Regierung nicht
alles richtig macht. Wir, die wir überzeugt sind, dass man den Prozess
unterstützen muss, müssen das mit der realistischen Einstellung tun,
dass sie häufig Fehler begehen werden. Das ist normal, das ist Teil ihres
Lernprozesses. Trotzdem müssen wir natürlich sagen, wo Fehler liegen.
Die Schwachpunkte sind aus meiner Sicht im Wesentlichen folgende. Erstens,
in Bezug auf die sozialen Organisationen. Viele sehen sich als organischer
Teil der MAS. Andere, wenn auch in der Minderheit, tun das nicht, sehen
sich aber als Teil des Prozesses. Beiden fehlt das nötige politische
Gewissen, was für mich sehr enttäuschend ist. Sie haben vielleicht
politische Überzeugungen, was reicht, um zu wissen, was man nicht will.
Seit dem Jahre 2000 haben wir das sehr oft auf der Straße gesehen. Alle
waren gegen einen neokolonialen, diskriminierenden, rassistischen Staat,
der bis zum Geht-nicht-mehr privatisisiert, der die Mehrheiten verelendet
und ausgrenzt. Alles in Ordnung. Plötzlich tauchen Massenbewegungen auf,
die nicht auf formellen Organisationen basieren, wie im Wasserkrieg, bei
den Indígenamärschen, beim Gaskrieg, bei den Wahlen, gegen Sánchez de
Losada, gegen Carlos Mesa. Da sah man Stärke, Überzeugung und Klarheit,
aber immer nur in Bezug auf das, was wir ablehnen. Als die neue Regierung
ihre Arbeit aufnahm, war ich acht Monate lang Vize-Innenminister, von
daher zuständig für die Staatssicherheit und die öffentliche
Sicherheit. Ich hatte mein Amt in der Überzeugung angetreten, dass ich
mich hauptsächlich mit der Opposition würde auseinandersetzen müssen,
die ja voraussehbar aggressiv sein würde. Stattdessen musste ich den
Hauptteil meiner Energie für die Leute einsetzen, die eigentlich auf
Seiten der Regierung standen und die wie eh und je Straßenblockaden
machten, die Hauptstadt besetzen wollten und ähnliches. Das war
schrecklich für mich. Irgendwann fing ich an zu glauben, dass, wenn das
Projekt scheitert, dies nicht nur an der Rechten, an der Opposition liegt,
die sicher eine Rolle spielt, sondern in großem Maße an sozialen
Organisationen, die nicht verstehen, wie man strategisch vorgehen muss,
wenn man an der Macht ist.
Aber was sind die wirklich zentralen Kämpfe? Erst einmal die Rückeroberung
der Verfügungsgewalt über die Rohstoffe, den Boden und Bodenschätze.
Zweitens eine grundsätzliche Neuausrichtung des Staates, um ihn
ausgeglichener und partizipativer zu machen. Stattdessen durchziehen die
Amtszeit der neuen Regierung vom ersten Tag an völlig zweitrangige,
lokale und sektoriale Konflikte. Dieselben Kräfte, die sich mutig in den
Kampf gegen das alte System geworfen hatten, mobilisieren sich heute nicht
gegen die Regierung, sondern weil sie glauben, dass die neue Regierung nur
dazu da ist, mein und zuallererst nur mein Problemchen zu lösen. So
wurden Hauptverbindungsstraßen des Landes blockiert, um eine neue
Ausbildungsstätte für Lehrer in einem Landesteil oder die Ablösung des
Rektors der Universität von El Alto zu fordern oder zu fordern, weiterhin
Altkleider verkaufen zu dürfen. Aber ist die Absetzung des Bürgermeisters
einer kleinen Ortschaft in Cotoca/Santa Cruz wichtig genug, um die
Hauptstraße nach Brasilien zu blockieren? Auch wenn er noch so schlecht
ist, muss man dafür Bolivien verkehrsmäßig isolieren? Compañeros,
sagte ich ihnen, kämpft doch innerhalb der Gesetze, und wenn sie nicht
ausreichen, sperrt den Bürgermeister aus. In meiner Amtszeit gab es mehr
als 80 ernsthafte Konflikte mit lokalen Bürgermeistern, die jedes Mal das
ganze Land lahmzulegen drohten. Einmal haben 800 Aymarafischer vom
Titicacasee die Straße von El Alto hinunter nach La Paz blockiert und
damit die Verbindung zum internationalen Flughafen unterbrochen, weil ein
Radiokanal gemeldet hatte, das Wasser im See sei verseucht. Damit will ich
sagen, dass die Regierung unheimlich viel Kraft aufwenden muss, um den
Kampf von sozialen Organisationen im Zaum zu halten.
Dabei sitzen die sozialen Bewegungen selbst mit in der Regierung...
Ja, aber nach welchen Kriterien werden oft die VertreterInnen der sozialen
Bewegungen ausgewählt? Die parlamentarische Fraktion der MAS ist
mehrheitlich sehr mittelmäßig. Ich finde, oft wurden die Falschen ausgewählt.
Das gilt auch für die Verfassunggebende Versammlung. Die Leute wählen
den, der am lautesten schreit, den, der in der örtlichen Versammlung die
Sandwiches bezahlt oder den LKW, der als Bus fungiert. Deswegen sitzen an
vielen Schlüsselstellen Leute, die nur an konkrete Vorteile denken, oft
nur ökonomische Vorteile. Wer ein Amt hat, soll Posten verteilen, und oft
genug nimmt er dafür auch noch Geld (im März waren die
„Empfehlungsschreiben“ ein heiß diskutiertes Thema in den
bolivianischen Medien, G.K.).
Ich hatte selbst immer wieder Probleme damit. Beispielsweise bei der
Ernennung der Chefs von Migrationsbehörden – dieser Dienst ist in
Bolivien wirklich eine Schande, weil da überall Leute sitzen, die sich
persönlich bereichern wollen. Glücklicherweise wurde ich bei meinen
Ablehnungen vom Präsidenten und Vizepräsidenten immer vorbehaltlos
unterstützt, weil die Migrationsbehörden zur Staatssicherheit gehören
und sie gut funktionieren müssen. Heute ist die Behörde wieder ein
Desaster, und die Herren und Damen von der MAS sind mit ihrer mangelnden
politischen Klarsicht schuld. Wir sind nicht in der Regierung, um die
Probleme Arbeit suchender Freunde und Verwandter zu regeln.
Sie lassen die Regierung selbst bei Ihrer Kritik außen vor.
Keineswegs. Das kommt noch. Einige Schwächen sind unvermeidlich, wie das
Fehlen von Erfahrung. Wir sind eine Regierung von Lehrlingen. Am Tag der
Wahl rief Evo Morales den jetztigen Außenminister David Choquehuanca an
und trug ihm das Amt an, weil er eine Vertrauensperson auf diesem Posten
bräuchte. Choquehuanca antwortete: “Aber ich habe davon keine
Ahnung.“ Darauf Evo: „Das geht uns allen so.“
Schwerer wiegen andere Schwächen. Im Finanzbereich wollte man kein Risiko
eingehen. Deswegen bestimmt in diesem Bereich weiterhin das Team der Vorgängerregierung.
Damit besteht die Regierung aus einer Mischung aus neuen, unerfahrenen
Leuten und alten Hasen, die dem alten System entstammen und im Grunde
weiter dafür arbeiten. Im Finanzbereich, bei der Zentralbank sieht man
sehr klar, dass dort trotz Sonntagsreden nicht die Linie der Regierung
verfolgt wird.
Ein weiteres: Alles ging sehr schnell. Die MAS war ein Grüppchen von vier
hergelaufenen Optimisten, das vor allem auf dem Lande agierte. Die Führungspersonen
sind alle Bauern. Die Leute aus der Stadt, Intellektuelle, Angestellte,
sind erst im letzten Moment dazugestoßen. Deswegen existiert kein
organischer Aufbau, es gibt keine klaren Instanzen und Räume für
Entscheidungsfindung und Reflexion. Alles hängt letztlich vom Präsidenten
und seinen Vertrauenspersonen ab. Da fehlt Klarheit. Wenn man mich fragte,
was der Hauptfehler Evos ist, würde ich sagen: Er delegiert nicht, er
arbeitet lieber bis zum Umfallen.
Abgesehen aber von diesen unvermeidlichen Schwächen gibt es vermeidbare
Fehler. Als erstes ist eine bestürzende Unfähigkeit zur Kommunikation zu
nennen. Die Regierung kommuniziert nicht angemessen mit der Bevölkerung.
Dabei sind wir in der Hand von Medien, die zu 90 bis 95 Prozent zur
aggressiven Opposition gehören, vor allem das Fernsehen, aber auch die
Zeitungen und das Radio. Den ganzen Tag lang lancieren sie
Fehlinformationen, lügen ohne jeden Skrupel, vergleichbar mit den
Oppositionsmedien in Venezuela. Die Regierung antwortet darauf nicht mit
angemessenen Kommunikationsfähigkeiten, abgesehen vom Radio Patria Nueva.
Der staatliche Fernsehsender Canal 7 nutzt seine Möglichkeiten bei weitem
nicht. Die Regierung weiß das, aber es geschieht nichts. Vielen ist
ohnehin egal, was die Medien sagen, aber es gibt eine Mittelschicht, die
keine klaren politischen Positionen hat. Mangels alternativer
Informationen glauben sie den Mist aus den Medien.
Ein weiterer Schwachpunkt sind die kriegerischen Parolen des Präsidenten
und Vizepräsidenten, die eigentlich nicht zu beiden Persönlichkeiten
passen. Das öffnet zu viele Fronten. Wenn wir schon mit unserem
Hauptfeind im Clinch liegen, den ausländischen Öl- und Gasfirmen und
ihren Alliierten, sollten wir nicht gleichzeitig den Kampf mit den Präfekten
beginnen. Und absolut unnötig ist zudem, sich jetzt mit der katholischen
Kirche anzulegen. Das interessiert die einfachen Leute zwar nicht, weil
der Katholizismus hier relativ synkretistisch ist, aber die
Mittelschichten. Man hätte auch die Medien nicht unnötig angreifen müssen.
Katastrophal war, zum Nein für die Autonomie der Departements aufzurufen.
Ich war zu der Zeit in der Regierung und gemeinsam mit Kollegen zutiefst
erschrocken. Das führt doch nur zu Grabenkämpfen. Wir sind doch auch
nicht für einen zentralistischen Staat. Keine Ahnung, wo und wie die
Entscheidung getroffen wurde. Auf einmal war sie da. Das war für die
Separatisten eine Steilvorlage. Taktisch-politisch wäre gewesen zu sagen,
wir sind alle für die Autonomie, dann hätte es keine Verlierer gegeben
und wir hätten uns an eine Ausgestaltung der Autonomie machen können,
die den alten Machtgruppen keine neuen Freiräume eröffnet.
Schließlich noch ein gravierendes Problem: Niemand aus der Regierung und
aus der MAS hat ein Gespür dafür, was das Tiefland eigentlich ist. Das
ist für sie fremdes Territorium. Die wenigen cambas (Tieflandbewohner) in
der Regierung fühlen sich als nicht ernst genommenes Alibi. Die Anzahl
ist sicher nicht das Entscheidende, aber die Regierung muss sich klar darüber
sein, dass sich in der jetzigen Konjunktur die wesentlichen Kämpfe im
Tiefland abspielen. Land, Gas, Bergbau, moderne Viehzucht. Es ist
unverzichtbar, alles zu unternehmen, um das Tiefland für die Regierung zu
gewinnen.
Das passiert nicht. Der Präsident reist sehr viel – das ist gut und
wichtig für den Kontakt mit den Leuten –, aber meistens in den andinen
Teil. Im Vergleich zu vor zehn Jahren hat der Präsident viel dazu gelernt
– er weiß etwa heute mit Weißen und mit Städtern umzugehen –, aber
diesbezüglich nicht genug. Die neuen Landgesetze wurden in Ucurena bei
Cochabamba verkündet. Vor 50 Jahren war Ucurena ein Symbol für den Kampf
um das Land, aber heute kämpft da niemand mehr, die Leute sind in den
Chapare oder nach Spanien gegangen. Ucurena heute, da fehlt Phantasie. Im
Tiefland hätten die neuen Gesetze verkündet werden müssen!
Trotz alledem: Keine Regierung hat in den letzten 20 Jahren im ersten Jahr
soviel geleistet wie die jetzige, von den Bodenschätzen bis zu Würde und
Selbstbewusstsein der Bevölkerung.
Das Gespräch führte Gaby Küppers im März 2007 in Cochabamba.
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