aus Indigene
und schwarze Bewegungen / ila 316
Correa und die CONAIE
Wie beurteilen indigene Aktivisten den Verfassungsprozess
und die Regierung Correa in Ecuador?
von Zeljko Crncic*
Die Indigenenkoordination CONAIE (Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador)
galt lange als die bestorganisierte indigene Bewegung Südamerikas. In den neunziger Jahren
und um die Jahrtausendwende kanalisierte sie den sozialen Protest weiter Bevölkerungsteile.
1994 hatte sie nach einer Protestwelle den damaligen konservativen Präsidenten Durán Ballén
zu Zugeständnissen in seinen Privatisierungsvorhaben genötigt, 1997 mit anderen Akteuren
Präsident Bucaram aus dem Amt gejagt und schließlich mit Hilfe linker Militärs am
21. Januar 2000 für einige Stunden die Macht im Staate an sich gebracht. Im Jahr 2001 gelang
ihr eine weitere Mobilisierung, diesmal gegen den Übergangspräsidenten Álvaro Noboa, bei der
sich die CONAIE der Unterstützung vieler nicht-indigener EinwohnerInnen der Hauptstadt Quito
erfreute. Doch in den letzten Jahren ist es stiller um die CONAIE geworden, anders als etwa
in Bolivien spielen die Indígenas in der Mitte-Links-Regierung von Rafael Correa keine
Rolle.
Nach der Mobilisierung von Januar 2001 errang die Pachakutik, der politische Arm der
indigenen Bewegung Ecuadors, im Folgejahr eine große Anzahl der Wählerstimmen und ging eine
Koalition mit dem Ex-Putschisten Lucio Gutiérrez ein. Diese Koalition war von kurzer Dauer.
Bereits 2003 verließ die indigene Partei aufgrund massiver Differenzen mit Gutiérrez, der
von seiner linken Wahlrhetorik nun nichts mehr wissen wollte, die Allianz. Gutiérrez
verfolgte daraufhin seinen rechten Kurs ohne die Pachakutik weiter und suchte sich neue
Alliierte im Lager des ehemaligen Präsidenten Bucaram.
Am 20. April 2005 mußte Lucio Gutiérrez seinen Hut nehmen. Er hatte Abdala Bucaram die
Rückkehr aus dem Exil versprochen und zu diesem Zweck die Richter des obersten Gerichtes
ausgetauscht. Die BürgerInnen der Hauptstadt Quito, von Gutiérrez als Forrajidos
(Straßenräuber) abqualifiziert, gingen massenhaft auf die Straße und erzwangen seinen
Rückzug. Die indigene Bewegung beteiligte sich zwar an diesen Aktionen, die Speerspitze
bildete jedoch nicht sie, sondern eine diffuse BürgerInnenbewegung, die sich den Spottnamen
Forrajidos, den ihr Gutiérrez gegeben hatte, zu Eigen gemacht hatte.
Die CONAIE ging geschwächt aus dem Kapitel Gutiérrez hervor. Sie hatte sich an einer
Regierung beteiligt, die später der politischen Korruption bezichtigt und gestürzt worden
war. Dazu kamen innere Spaltungen, die durch den Gegensatz zwischen Hoch- und
Tieflandindigenen geprägt waren. Gutiérrez schürte diese Spannungen aktiv, um seinen
damaligen Koalitionspartner zu schwächen.
Heute haben sich die politischen Rahmenbedingungen
für die Bewegung grundsätzlich geändert.
Die CONAIE steht nicht mehr an der Spitze
der Kämpfe gegen ein neoliberales Regime. Solange sie sich in der Opposition gegen korrupte
Regierungen befand, war ihr die Sympathie anderer sozialer Bewegungen und großer Teile der
Bevölkerung sicher. Aktuell wird der soziale Diskurs von der Regierung abgedeckt, soziale
Bewegungen haben also keinen Grund mehr, die Indigenenorganisation besonders zu
unterstützen.
Die befindet sich derzeit in einem Diskussionsprozess: Wie gestaltet sich die Suche nach
einer neuen Verfassung und welche Hoffnungen und Ängste verbinden die Indígenas mit diesem
Prozess? Dazu habe ich in Quito verschiedene Aktivistinnen und Aktivisten der CONAIE sowie
ihre Sympathisanten und Berater befragt.
Zentraler Ansatzpunkt der Debatte ist die Verfassunggebende Versammlung, die derzeit in
Montecristi tagt. Luis Macas, ehemaliger Präsident der CONAIE und Präsidentschaftskandidat
bei den Wahlen 2006, sagt dazu: „Schauen Sie, als wir 1990 den Vorschlag zu solch einer
Versammlung machten, waren wir sehr von dieser Idee überzeugt. Wir waren jung und
begeistert.“
Die CONAIE war der Meinung, dass auf dem Wege einer Verfassunggebenden
Versammlung wichtige Veränderungen zustande kommen würden. Jedoch steht die Bewegung den
Vorschlägen der aktuellen Versammlung, die die Position des Präsidenten betreffen, ablehnend
gegenüber: „Wir glauben an kollektive Regierungsformen, an eine Regierung der Gemeinschaft.
Diese Idee verfolgen wir seit 1990. Wir lehnen die Stärkung des Präsidentialismus, wie ihn
die Regierung anstrebt, ab.“
Stattdessen fordert die Bewegung ein semipräsidentielles System und eine Art Rat, der dem
Präsidenten zur Seite stünde und ihn gegebenenfalls kontrollieren könnte. Diese Politik
verfolgend ist die CONAIE dabei, autonome Gemeinderegierungen zu bilden und diesen Prozess
in den verschiedenen indigenen Gemeinschaften zu fördern: „Das haben wir uns ja nicht
gestern ausgedacht“, meint Macas. „Es gibt ein politisches System und einen rechtlichen
Rahmen. Wir fahren mit der Bildung der Regierungen fort, ob der Staat sie nun anerkennt oder
nicht.“
Ariruma Kowii, ein indigener Aktivist aus der Provinz Chimborazo, der im
Erziehungsministerium tätig ist, widerspricht: „Ich bin nicht einverstanden mit der
angestrebten Autonomie, wie sie die CONAIE für die Indigenen anstrebt.“ Er wendet ein, dass
es in der Geschichte immer wieder zu Teilungsversuchen gekommen sei. Den Indigenen wurden
jedoch immer die schlechtesten Böden zugewiesen. „Sie leben auf den Gipfeln der Berge in
unwirtlichen Gegenden, bei einer Autonomie würden ihnen diejenigen Gebiete zuerkannt, in
denen sie zur Zeit leben.
Die CONAIE fordert eine Integration der Indigenen in den Staat, die in der Verfassung
fixiert werden soll. Sie steht auf dem Standpunkt, dass die Indigenen nach wie vor
ausgegrenzt werden, was sich zum Beispiel in den Wahlen für die Verfassunggebende
Versammlung gezeigt hätte. Macas erklärt, dass die Indigenen garantierte Plätze in der
Versammlung gefordert hätten, da sie in allgemeinen Wahlen möglicherweise keine Mandate
errungen hätten: „Die Antwort seitens der Regierung war negativ, sie sagten, dass sich alle
dem demokratischen Spiel zu unterwerfen hätten.“
„Die Regierung sieht die CONAIE als eine unter vielen korporativistischen Gruppen an, die
partikuläre Interessen verteidigt. Neben den Lehrern, dem Transportwesen oder den
Gewerkschaften. Es gibt keine Politik des Respekts gegenüber diesen autonomen
Organisationen. Hier sehe ich Konfliktpotential“, meint Pablo Ospina, Professor für
Geschichte an der Universidad Andina.
Die indigene Aktivistin Carolina Mite, die bis Januar 2008 die Frauen- und
Familienbeauftragte der CONAIE war, beklagt: „Correa räumt der indigenen Bewegung einen
geringen Stellenwert ein und empfindet die indigenen Nationalitäten und Völker als künstlich
geschaffene Einheiten. Er wertet uns ab und er unterscheidet sich kaum von den
Vorgängerregierungen.“ Sie nennt als Beispiel die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen
der Polizei und der lokalen Bevölkerung in der Provinz Orellana, bei denen es um den
Erdölabbau und die negativen Folgen dieser Aktivitäten geht. Die Bewohner der Gemeinde
Dayuma wehren sich schon gegen die Erdölförderung und werden dafür immer wieder gewaltsam
von der Polizei verfolgt.
Es fehle ein Dialog mit den indigenen Institutionen, konstatiert der Historiker Ospina.
Diese mangelnde Dialogbereitschaft schlage sich auch im sozialen Bereich nieder, wo die
indigenen Organisationen einen wichtigen Beitrag leisten könnten.
Ecuador ist ein Exporteur von Primärgütern wie Bana-
nen, Blumen und Schalentiere. Das Hauptexportprodukt ist jedoch Erdöl, das im Osten
des Landes, im Oriente, gefördert wird. In den 70er Jahren bescherte das Öl dem Land einen
wirtschaftlichen Boom. Es kam aber auch zu Konflikten mit indigenen Ethnien des Gebietes,
die ihre Lebensgrundlage und ihre Kultur durch die Ölförderung bedroht sahen.
Der Abbau von Erdöl und anderen Rohstoffen ist ein ständiger Zankapfel zwischen den
Indigenen und den verschiedenen Regierungen. Das derzeitige Interesse, den natürlichen
Reichtum des Landes zu veräußern und seine Gewinne gerechter zu verteilen, kollidiert mit
dem Wunsch der Indigenen, in ihren Siedlungsgebieten ihrer traditionellen Lebensweise
nachzugehen. Der Historiker Pablo Ospina sieht Konfliktpotential auch mit der Regierung
Corra: „Bei den Investitionen, beispielsweise in der Erdölförderung, aber auch im
Minensektor oder beim Bau neuer Staudämme, sind Konflikte mit den Indigenen sehr
wahrscheinlich.“
Luis Macas meint dazu: „Ich komme aus Loja, im Süden Ecuadors. In meiner eigenen Gemeinde
baut eine kanadische Firma Silber ab. Sie haben eine Mauer gebaut und verwehren den
Bewohnern den Zutritt.“ Diese Aneignung gemeinschaftlichen Territoriums stoße auf das
Unverständnis und den Widerstand der DorfbewohnerInnen.
In der ebenfalls im Süden Ecuadors gelegenen Provinz Azuay befinden sich nach Aussagen des
Bauernaktivisten Carlos Morales 60 Prozent des Bodens in Händen von 14 kanadischen
Minenfirmen (Diario la Hora, 12.3.2008). Sie hätten, so der Aktivist, seitens der Regierung
Konzessionen erhalten, um dort Gold, Silber und Kupfer auszubeuten. Die Schäden an der
Umwelt und dem sozialen Gefüge seien irreparabel und es sei unverständlich, weshalb die
Regierung dieses Tun nach wie vor dulde.
Alfredo Luna, langjähriger Berater der CONAIE, bekräftigt: „Mir machen die Konzessionen im
Wassersektor, bei der Telekommunikation und vor allem im Erdölbereich große Sorgen. Hier
sind Indigene von den Folgen direkt betroffen.“ Luis Macas schließt sich der Sorge an. Der
Zugang zu Trinkwasser sei ein Menschenrecht: „Wie kann es sein, dass sie uns, mittels der
Vergabe von Konzessionen, den Zugang zu unseren Wasserquellen und Lagunen abschneiden?“
Neben der Privatisierung des Trinkwassers wird das kostbare Nass auch zur Energiegewinnung
benutzt. Hier entstehen weitere Konflikte mit den Indigenen, wie Luis Macas verdeutlicht:
„Es ist jetzt groß in Mode, Staudämme zu bauen. Angeblich, um uns eine bessere
Energieversorgung zu ermöglichen. Aber die Förderfirmen bauen diese Kraftwerke für sich, das
Land wird nicht von den neuen Energiequellen profitieren.“
Auch im Streit um die Erdölförderung im Nationalpark Yasuní im Gebiet des Ishpingo, Tibutini
und Tambucocha (ITT), der von der UN zum Schutzgebiet erklärt wurde, besteht die CONAIE auf
der Einhaltung der Menschenrechte der dortigen Indigenen, die in der Verfassung verankert
seien: „Zunächst hat Correa dies anerkannt, um dann die Erlaubnis für die Ausbeutung des
Blocks 31 zu geben, der sich in der Zone befindet“, so Alfredo Luna. „Man erkennt ein
kleines Gebiet als Schutzzone an, den Nationalpark Yasuní, Siedlungsgebiet von 32 indigenen
Gemeinschaften, jedoch nicht.“
Die aktuellen Forderungen der Indígenabewegung umfassen die Kontrolle der natürlichen
Ressourcen seitens eines plurinationalen Staates, zweisprachige Bildungseinrichtungen, eine
bessere Gesundheitsversorgung, die Festsetzung der Preise für Grundnahrungsmittel und die
Revision der Verträge mit den multinationalen Konzernen, um nur einige zu nennen.
Luis Macas beklagt die geringe Resonanz ihrer Vorschläge in der Verfassunggebenden
Versammlung. Evelio Gende, ein Jugendaktivist aus Santo Domingo de los Colorados, pflichtet
bei: „Es ist besorgniserregend, dass die Regierung der Revolución Ciudadana unsere
Vorschläge bei den Themen der Biodiversität, in politischen Fragen und beim Thema der
Wirtschaft gar nicht zur Kenntnis genommen hat.“
Aus diesem Grund mobilisierte die CONAIE am 11. März 2008 10 000 AnhängerInnen, die in Quito
ihren Protest artikulierten. Hauptanliegen waren die Ablehnung der Privatisierung des
Wassers, die Konzessionen der Minenkonzerne und die Position der Indigenen in der
ecuadorianischen Gesellschaft (Diario la Hora, 12.03.2008). Die Forderungen der CONAIE
wurden in einem Schriftstück zusammengefasst und Alberto Acosta, dem Präsidenten der
Verfassunggebenden Versammlung, übergeben.
Aus den dargestellten Kritikpunkten wird deutlich, dass
es zwischen der Regierung Correa und der CONAIE bedeutende Unterschiede gibt.
Es
liegt auf der Hand, dass die VertreterInnen der indigenen Bewegung zunächst ausschließlich
die Anliegen der eigenen Basis artikulieren. Dabei ist es durchaus möglich, dass sie, als
Repräsentanten etwa der Urwald-Ethnien, einen Standpunkt vertreten, der aus nationaler
Perspektive zumindest fraglich erscheint. Partikuläre indigene Interessen können durchaus
dem Anliegen entgegenlaufen, die natürlichen Ressourcen zu einer Umverteilung des nationalen
Reichtums zu verwenden. Ein Konflikt größeren Ausmaßes scheint hier recht wahrscheinlich.
Andererseits ist Alfredo Luna zuzustimmen, wenn er im Zusammenhang mit dem Wasserkonflikt
konstatiert, dass die Stadtbevölkerung von einer Privatisierung in weit geringerem Maße
betroffen ist als die Indigenen. „Das Wasser kommt aus dem Wasserhahn, für die Leute in der
Stadt macht es keinen Unterschied, wer es kontrolliert. Für die Gemeinden in den
Quellgebieten ist es aber sehr wohl von Bedeutung, ob sie am Zutritt zu ihren Quellen
gehindert werden.“
In den Gesprächen mit den indigenen AktivistInnen zeichnet sich ein Gefühl mangelnder
Repräsentanz in der Regierung ab.
Trotz eines vagen Optimismus überwiegen bei den
CONAIE-AktivistInnen die skeptischen Stimmen. Das Gefühl, wenig beachtet und als ethnische
Gruppen nicht ernst genommen zu werden, ist weit verbreitet. Dieser Umstand ist von großer
Signifikanz, ist doch der ethnische Charakter der Bewegung für die CONAIE von essenzieller
Bedeutung. Über Jahrzehnte hinweg kämpften die Indigenen sowohl in Kirchenkreisen als auch
innerhalb der Gewerkschaften sowie der linken Parteien um Anerkennung. Nach und nach bildete
sich eine indigene Führungsschicht heraus und mit ihr eine indigene Identität, die erstmals
in der Geschichte der Indigenen Gemeinde- und Sprachgrenzen überschritt. Die indigene
Identität ist der Kitt, der die CONAIE zusammenhält und ihr den Impuls gibt, sich für die
Anliegen ihrer Basis einzusetzen. Wenn Correa nun diese Dimension minimiert, trifft er auf
den erbitterten Widerstand der AktivistInnen.
Die prekäre ökonomische Lage der Indigenen ist ebenfalls zu beachten. Schafft es Correa
nicht, ihre Situation, vor allem in den ländlichen Gemeinden, zu verbessern, könnte die
CONAIE ihre Mitglieder ein weiteres Mal auf die Barrikaden rufen.
Nach einem Jahr im Amt könne man sagen, dass Correa, das ökonomische Modell nicht geändert
hat. Die Preise für viele Grundnahrungsmittel seien gestiegen und die versprochenen
Veränderungen im Gesundheitssektor, bei der Erziehung oder im Wohnungsbau nicht angegangen
worden, beschwert sich Luna. „Dabei hätte es Correa gekonnt, er hätte die natürlichen
Ressourcen verstaatlichen können. Warum wurde Petrobras nicht des Landes verwiesen wie
seiner Zeit Oxy? Warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen?“, fragt Luna.
Auch Luis Macas' Kritik geht in diese Richtung. Dem Beispiel Evo Morales' folgend hätte die
Regierung Correa die Konzerne stärker unter ihre Kontrolle zwingen können.
Grundsätzlich markiert die neue Regierung in Ecuador und mit ihr der Verfassungsprozess eine
Entwicklung, die verschieden bewertet werden kann. Es kommt offensichtlich stark auf die
Perspektive des Betrachters/der Betrachterin an. Der Aktivist der indigenen Partei
Pachakutik, Ricardo Carrillo, bescheinigt der Regierung einen proaktiven Charakter: „Diese
Regierung ist nicht revolutionär, sie kann aber den Grundstein für einen Umwälzungsprozess
legen.“
Nach dem Ende der Verfassunggebenden Versammlung werden die Bürger zu den Urnen gerufen, um
über den Verfassungsentwurf abzustimmen. Die Rechte werde versuchen, ein negatives Votum zu
erreichen, die indigene Partei muss sich also zu Gunsten der Regierung positionieren, bevor
es zur Abstimmung komme, meint Carrillo.
Mehr Bedenken äußern die indigenen Vertreter, wie oben beschrieben wurde. Ecuador könnten
stürmische Zeiten bevorstehen. Correa verfügt zwar nach wie vor über breite Unterstützung
innerhalb der Bevölkerung, es gibt jedoch auch starke Widerstände, vor allem in der größten
Stadt Guayaquil, deren konservativer Bürgermeister Jaime Nebot gegen Correa mobil macht. Es
erscheint für die Regierung ratsam, die indigenen Einwände und Anliegen stärker als bisher
ernst zu nehmen. Eine zweite Oppositionsfront würde sie mit großer Wahrscheinlichkeit in
größere Bedrängnis bringen.
*Zeljko Crncic war im Rahmen eines Promotionsvorhabens von Ende November 2007 bis Ende Februar 2008 in Ecuador und konnte Gespräche mit zahlreichen CONAIE-FührerInnen und AktivistInnen führen.
Letzte Meldung (Mai 2008): CONAIE bricht mit Correa
In einer außerordentlichen Versammlung der CONAIE am 13. Mai in Quito, an der auch verschiedene regionale Indígenaorganisationen und Abgeordnete der Partei Pachakutik teilnahmen, verabschiedeten die Versammelten einen Offenen Brief, der am 15. Mai verbreitet wurde. „Aufgrund der Ablehnung durch die Mehrheit von Alianza País, in die neue Verfassung die Plurinationalität und vor allem die vorherige, freie und informierte Zustimmung (der indigenen Gemeinden zu Bergbau- oder anderen Projekten auf ihrem Land, Anmerk. d.Ü.) aufzunehmen“ und angesichts der „beleidigenden“ Äußerungen Rafael Correas (der hatte u.a. gesagt, er ließe sich nicht von 200 Familien seine Bergbaupolitik bestimmen, und die CONAIE sei korrupt) erklärten die Indígena-VertreterInnen ihre Opposition zur Wirtschaftspolitik der Regierung, die vor allem im Sinne der transnationalen Öl-, Bergbau-, Holz- und anderer Unternehmen handele und die steigenden Lebensmittelpreise nicht in den Griff bekäme. Sie forderten einen wirtschaftlichen Notfallplan, einen plurinationalen Staat sowie den Rücktritt verschiedener Minister. Die Mehrheit der Forderungen richtet sich an die Verfassunggebende Versammlung, womit der Brief wohl den klaren Bruch mit der Regierung Correa, aber nicht mit der Verfassunggebenden Versammlung bedeutet.
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