aus
El Alto / ila 327
Der
Putsch
von Atilio A. Borón
Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Der
Staatsstreich in Honduras erinnert sehr stark an das, was im April 2002 in
Venezuela geschehen ist, und was letztes Jahr in Bolivien durch die
entschiedene Reaktion einiger Regierungen der Region abgewehrt werden
konnte: Ein Präsident, der im Morgengrauen von vermummten Militärs
gewaltsam entführt wird; ein falscher Rücktrittsbrief, der veröffentlicht
wird, mit dem Ziel, die Bevölkerung zu täuschen und zu demobilisieren,
und der von CNN sofort weltweit verbreitet wird, ohne den Wahrheitsgehalt
der Nachricht zu prüfen; die Reaktion der Bevölkerung, die das Täuschungsmanöver
durchschaut und auf die Straße geht, um die Panzer und die Militärfahrzeuge
mit bloßen Händen aufzuhalten und die Rückkehr von Präsident Zelaya in
das Amt einzufordern; das Stromabschalten, um die Ausstrahlungen von
Fernsehen und Radio zu verhindern und die Verwirrung und Entmutigung der
Menschen zu fördern. Es war wie damals in Venezuela, als Hugo Chávez
noch nicht einmal richtig festgesetzt war und die Putschisten schon einen
neuen Präsidenten einsetzten: Pedro Francisco Carmona, den die
Volksphantasie später in „die Eintagsfliege“ umtaufte. In Honduras übernahm
dessen Rolle Roberto Micheletti, der Präsident des Ein-Kammern-Kongresses
des Landes, der am 28. Juni 2009 einen Eid als vorläufiger Amtsträger
ablegte.
Was in Honduras passiert, verdeutlicht den
Widerstand, der bei den traditionellen Machtstrukturen ausgelöst wird,
wenn es Versuche einer tiefer gehenden Demokratisierung gibt. Es hat
ausgereicht, dass Präsident Zelaya den Entschluss für eine
Volksbefragung fasste, um über die zukünftige Einberufung einer
Verfassunggebenden Versammlung abzustimmen. Diese consulta popular
stützte sich auf die Unterschriften von über 400 000 BürgerInnen. Und
schon setzten sich die unterschiedlichen staatlichen Instanzen in
Bewegung, um dies zu verhindern: Das Parlament ordnete die Absetzung des
Präsidenten an und ein Urteil des Obersten Gerichtshofes segnete den
Staatsstreich ab. Es war keine geringere Instanz als dieses Gericht, das
den Befehl zur Entführung und Ausweisung von Präsident Zelaya
ausstellte, und damit wie schon die ganze Woche zuvor das aufrührerische
Verhalten der Streitkräfte unterstützte.
Zelaya ist weder zurückgetreten noch hat er in Costa
Rica um Asyl gebeten. Er wurde entführt und ausgebürgert, die Bevölkerung
ist auf die Straße gegangen, um seine Regierung zu verteidigen. Die
Regierungen der Region haben den Putschversuch zurückgewiesen. In diesem
Sinn hat sich auch Barack Obama geäußert. Er sagte, dass Zelaya „der
einzige Präsident ist, den ich anerkenne, das will ich klar machen.“.
Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat sich ähnlich ausgedrückt,
und von Argentinien aus sagte Präsidentin Cristina Fernández, dass
„wir ein Treffen von UNASUR anregen werden, obwohl Honduras nicht zu
diesem Verbund gehört; des Weiteren werden wir von der OAS die Achtung
der Institutionalität und der Wiedereinsetzung von Zelaya fordern, neben
Garantien für sein Leben, die körperliche Unversehrtheit von ihm sowie
seiner Familie. Das ist fundamental, ein Akt der Achtung der Demokratie
und aller Staatsbürger.“
Die Brutalität der ganzen Operation trägt das untrügliche
Markenzeichen der CIA und der School of Americas: Angefangen mit
der Entführung des Präsidenten, der im Schlafanzug nach Costa Rica
geschafft wurde, und der unziemlichen Entführung und dem Schlagen von
drei Botschaftern befreundeter Länder, Nicaragua, Cuba und Venezuela. Sie
hatten sich der Residenz der Außenministerin von Honduras, Patricia
Rodas, genähert, um die Solidarität ihrer Länder auszudrücken; weiter
mit dem imposanten Aufgebot der Militärs in den wichtigsten Städten des
Landes, mit dem klaren Ziel, die Bevölkerung zu terrorisieren. Am späten
Nachmittag wurde eine Ausgangssperre verhängt und es herrscht eine
strenge Pressezensur.
Erinnert sei daran, dass die Streitkräfte von
Honduras in den 80er Jahren völlig umstrukturiert und „umerzogen“
wurden, als in Honduras niemand anderes als John Negroponte US-Botschafter
war. Dessen „diplomatische“ Laufbahn führte ihn in so
unterschiedliche Länder wie Vietnam, Honduras, Mexiko und Irak, um danach
mit einer Supergeheimdienstbehörde in Washington betraut zu werden. Von
Tegucigalpa aus überwachte er persönlich die terroristischen
Operationen, die gegen die sandinistische Regierung in Nicaragua ausgeführt
wurden, und förderte die Schaffung einer Todesschwadron, besser bekannt
als Bataillon 316, die Hunderte von Menschen in Honduras entführte,
folterte und tötete. In seinen offiziellen Berichten für Washington
stritt er Menschenrechtsverletzungen in Honduras jedoch ab. Selbst die
Presse in den USA informierte darüber, dass Negroponte zwischen 1981 und
1985 mit dem Waffen- und Drogenhandel verquickt war, um Todesschwadronen
zu bewaffnen. Die Streitkräfte aus dieser Zeit sind es, die heute Zelaya
absetzten. Aber das Kräfteverhältnis in Honduras selbst und auf
internationaler Ebene scheint zur Zeit eher zu ihrem Nachteil zu sein.
Atilio A. Borón ist Direktor des
Lateinamerikanischen Fernstudien-Programms für Sozialwissenschaften in
Buenos Aires.
Quelle: Servicio Informativo „ALAI-amlatina“, 28. Juni 2009. • Übersetzung:
Bettina Reis
http://www.atilioboron.com
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