aus
El Alto / ila 327
Es
geht um Menschenleben
Interview mit Pedro Morazán über den Konflikt
in Honduras
Der
Ökonom Pedro Morazán musste während der großen Repressionswelle in den
achtziger Jahren Honduras verlassen und kam nach Hamburg, wo er sein
Studium fortsetzte und promovierte. Er war lange in der
Solidaritätsarbeit mit Honduras und Mittelamerika aktiv und ist heute
wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Ökonomie und Ökumene
Südwind. Außerdem war er von 2001 bis 2004 Mitglied im
Koordinationskreis von attac Deutschland. Gert Eisenbürger sprach mit ihm
über seine Einschätzung der aktuellen Lage in Honduras.
In der ila 291 vom Dezember 2005 hatten wir die Wahl in Honduras mit
den Kandidaten Porfirio Lobo von der Nationalen Partei und Manuel Zelaya
von den Liberalen als Wahl zwischen zwei Übeln bezeichnet, zwei
Neoliberalen, die sich kaum unterschieden. Unsere Autorin meinte damals,
der einzige Grund, für Zelaya zu stimmen, sei die Tatsache gewesen, dass
Lobo im Wahlkampf vehement für die Wiedereinführung der Todesstrafe
eingetreten sei. Als Präsident setzte Zelaya dann einige überraschende
Akzente wie den Beitritt zu ALBA oder enge Beziehungen zu Cuba und
Venezuela. Ist aus dem Liberalen Zelaya plötzlich ein Linker geworden?
Jein. Die erwähnten Maßnahmen in der Außenpolitik waren eindeutig
Schritte in die linke Richtung, insbesondere der Beitritt zu ALBA. Auch
wenn das keine grundlegenden wirtschaftlichen Auswirkungen für das Land
hat, ist es ein Zeichen der Solidarität der lateinamerikanischen Länder
in Zeiten des Neoliberalismus nach Alternativen zu suchen. In der Form der
Ausübung seiner Politik im Lande selbst finde ich keine überprüfbaren
Nachweise für eine Politik, die die Situation entscheidend geändert
hätte. Mel Zelaya hat die Armutsbekämpfungsstrategie zu einem Instrument
des politischen Klientelismus genutzt. Er hat keine konsequente Politik
der Umverteilung durch eine Reform des Steuersystems eingeführt, er hat
keine Schritte in Hinsicht einer tiefgreifenden Landreform unternommen,
die dringend notwendig wäre, er hat auch keine Akzente hinsichtlich der
Förderung von Mittel- und Kleinunternehmen gesetzt. Insgesamt kann man
sagen, dass er keine Strategie zur Förderung von Produktionsformen hatte,
die auf eine Alternative zum neoliberalen System in Honduras hindeuten.
Wenn
er keine radikaleren Maßnahmen ergriffen hat, warum ist dann seine
Liberale Partei in letzter Zeit von ihm abgerückt?
Die
Liberale Partei und die Nationalpartei sind von ihren Machtstrukturen her
konservative Parteien, es sind die Parteien der Oligarchie, der so
genannten grupos fácticos, der mächtigen Wirtschafts- und
Finanzkartelle des Landes. In Honduras sind Wirtschaft und Politik sehr
stark durchdrungen. Diese Oligarchie ist konservativ ausgerichtet. Von
Honduras gingen in den achtziger Jahren die ganzen Militärinterventionen
gegen die Sandinisten in Nicaragua aus, die CIA-Operationen, der (Contra-)Krieg
niederer Intensität usw.
Zudem
haben die beiden traditionellen Parteien eine lange Tradition, sie sind
mehr als hundert Jahre alt. Das sind Strukturen, die sich konsolidiert
haben und sehr stark im Bewusstsein der Bevölkerung verwurzelt sind.
Allerdings haben sich diese Parteien auf ein bislang gut funktionierendes
Rotationsprinzip geeinigt. Ein Abrücken von diesem Konsens, insbesondere
was die internationale Positionierung angeht, wird bestraft. Diese Regeln
hat Zelaya verletzt.
Man
muss allerdings anmerken, dass die Liberale Partei seit Ende der
fünfziger Jahre, als sie unter der Präsidentschaft von Ramón Villeda
Morales soziale Gesetze in Honduras eingeführt hatte, immer auch einen
kleinen linken Flügel hatte, der jetzt praktisch von Mel Zelaya vertreten
wird. Ramón Villeda Morales wurde übrigens auch vom Militär gestürzt.
Der
jetzt vom Parlament bestimmte Übergangspräsident Roberto Micheletti
gehört auch der Liberalen Partei an. Könnte man den Putsch auch als
Machtkampf in dieser Partei sehen?
Es
war von Anfang ein Machtkampf, ich würde es allerdings nicht darauf
reduzieren. Die Leute innerhalb der Liberalen Partei, die Mel Zelaya von
Anfang an unterstützt haben, gehören eindeutig zum linken Flügel. Aber
der linke Flügel ist so klein, dass es unter den UnterstützerInnen Mel
Zelayas eine Mischung gibt aus Opportunisten, korrupten Politikern und
eben diesen engagierten Linken wie z.B. Außenministerin Patricia Rodas,
die praktisch diese ganze neue Außenpolitik geprägt hat. Deshalb ist der
Machtkampf zwischen Zelaya und Micheletti auch ein Machtkampf zwischen
politischen Positionen. Micheletti ist dagegen, dass Honduras eine enge
Kooperation mit Venezuela hat, dass Honduras ALBA beigetreten ist, dass
Honduras sich so intensiv für eine Wiederaufnahme Cubas in die OAS
eingesetzt hat. Micheletti ist in Honduras auch dafür bekannt, dass er
die Politik der Repression und der Menschenrechtsverletzungen in den
achtziger Jahren aktiv unterstützt hat. Deswegen ist er überhaupt nicht
beliebt in der Bevölkerung.
Auf
wen hat sich Zelaya gestützt, als er die Unterstützung der Mehrheit der
Liberalen verloren hat? Wer ist heute seine soziale Basis?
Man
kann das Phänomen Zelaya nicht ohne den Demonstrationseffekt der
politischen Prozesse in Bolivien, Ecuador und insbesondere Venezuela
verstehen. Die Prozesse in diesen Staaten lösen große Hoffnungen aus,
insbesondere in den sozialen Bewegungen. Einer sozialen Bewegung, die
lange unter internen Kämpfen, staatlicher Repression, einer rechten
Medienlandschaft in den Händen weniger und verschiedenen anderen Aspekten
zu leiden hatte. Die linken Kräfte haben sich nach den Konflikten in den
achtziger Jahren zum Teil in einer eigenen Partei zusammengefunden, der Unión
Democrática. Aber die ist relativ klein und kam bei Wahlen nie über
einen Stimmenanteil von fünf Prozent. Eine relative Schlagkraft in der
sozialen Bewegung haben traditionell die Bauernbewegung, heute auch die
Lehrergewerkschaft, die eine der stärksten Lehrergewerkschaften in
Lateinamerika ist und zum Teil auch Arbeitergewerkschaften. Sie haben aber
keine führende Persönlichkeit, um eine eigene Dynamik zu entwickeln.
Deshalb ergab sich im Laufe der Zeit – und das ist die Schlauheit von
Zelaya – diese Symbiose, eine soziale Bewegung, die eigentlich ohne
Führung und relativ schwach gewesen ist, mit dem Vertreter einer eher
traditionellen Elite, der aus einer konservativen
Großgrundbesitzerfamilie kommt und der jahrelang Funktionär der rechten
Regierung von Flores Facussé war. Dort war er Direktor des Fondo de
Inversión Social (FIS – Sozialer Investionsfonds, der mit Mitteln
internationaler Geldgeber soziale Programme durchführt) – von daher
datieren auch seine Kontakte zu den bäuerlichen Organisationen. Kurz:
Zelaya ist ein Linkspopulist.
Im
Konflikt um die Einberufung einer Verfassunggebenden Versammlung zeigen
sich auf den ersten Blick zahlreiche Parallelen zu Bolivien und Ecuador.
Auch dort gab es starke rechte Kräfte im Parlament, die gegen eine Constituyente
mobilisierten, unterstützt von den Obersten Gerichtshöfen, deren Richter
vor allem den Status Quo im Interesse der Oligarchie verteidigen wollten.
Um überhaupt eine Verfassunggebende Versammlung wählen zu könnten,
bedurfte es in Ecuador breiter Mobilisierungen. Wo siehst du
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den Konflikten in Honduras?
Ich
habe den Demonstrationseffekt dieser beiden Länder schon erwähnt. Dort
sind Evo Morales und Rafael Correa mit der Forderung nach der Einberufung
einer Verfassunggebenden Versammlung im Wahlkampf angetreten und wurden
unter anderem auch deshalb gewählt. Die Leute wollten diesen Wandel. Mel
Zelaya hatte diese Forderungen nicht, er war, wie du sagtest, mit einem
konservativen Programm angetreten. Niemand weiß, wie populär die
Forderung nach einer Verfassunggebenden Versammlung heute ist. Es gibt
keine repräsentativen Umfragen. Nach meinem Kenntnisstand und meinem
Gefühl kann ich nicht erkennen, dass es eine Mehrheit dafür gibt.
Zumindest bis vor kurzer Zeit – sagen wir vor einem Monat – war es
eine Minderheit, die diesen Prozess unterstützt hat.
Die
Parteibindungen sind in Honduras sehr stark, man ist entweder liberal oder
national. Weil Mel Zelaya für die Anhänger der Nationalen Partei ein
Liberaler ist und für viele Anhänger beider Parteien einer ist, der mit
Hugo Chávez und den anderen Linken in Lateinamerika sympathisiert,
stößt er bei vielen Leuten auf Ablehnung, insbesondere in der Mittel-
und Oberschicht. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Honduras ein
Agrarland ist und dass auch viele Bauern konservativ denken.
Gleichzeitig
gibt es in Honduras eine große Unzufriedenheit darüber, wie Politik
gemacht wird und insbesondere darüber, dass eine ganze Gesellschaft unter
Ungerechtigkeit und einer ungerechten Verteilung von Ressourcen leidet.
Das ist die grundlegende Unzufriedenheit dieser Bevölkerung. Ihr
Hauptanliegen ist: Die Mächtigen sollen aufhören weiterhin so Politik zu
machen wie bis jetzt. Dann bekommen sie eine Persönlichkeit mit
autoritärem Auftreten, die das aus ihren Herzen liest und sich
medienwirksam gegen einige Mächtigen stellt. Obwohl er auf die
Unterstützung des reichsten Mannes im Lande, Jaime Rosenthal, dessen Sohn
zum Kabinett gehört, sowie andere poderes fácticos rechnen kann.
Also nicht immer mit dem richtigen Personal, aber er macht und vor allem
sagt er das, was die Leute hören wollen. Damit steigt natürlich seine
Unterstützung. Es wäre interessant zu erfahren, wie breit seine Basis
ist, die ihn heute ausdrücklich und aktiv unterstützt.
Um
die Politik, die von Zelaya initiiert wurde, nachhaltig zu machen, muss er
allerdings wiedergewählt werden. Wie gesagt, gibt es ein Führungsvakuum.
Es gibt keine andere Persönlichkeit in der Linken, die seine
Führungsqualitäten hätte. Lateinamerikaner – egal ob von rechts oder
von links – sind caudillistas (sinngemäß: wir wollen einen
starken politischen Führer – die Red.). Wenn du dir die ganzen
politischen Prozesse in Lateinamerika ansiehst, wirst du sehen, dass sie
meistens von einem Caudillo, am liebsten einem Macho,
vorangetrieben werden. Diese exponierte Führungsfigur soll auch Stärke
zeigen. Es gibt sicher Ausnahmen, wie Mauricio Funes in El Salvador, aber
grundsätzlich ist das doch die Tendenz und Mel Zelaya ist dafür wie
gemacht.
Zum
eigentlichen Auslöser des aktuellen Konfliktes in Honduras: Mel Zelaya
wollte eine Volksbefragung durchführen, ob im November bei den
Präsidentschaftswahlen auch über die Einberufung einer
Verfassunggebenden Versammlung entschieden werden soll. Das hätte aber
doch bedeutet, dass im November auf jeden Fall ein neuer Präsident
gewählt wird. Davon hätte Zelaya doch gar nicht profitieren können,
weil seine Amtszeit endet, bevor die Verfassunggebende Versammlung
überhaupt gewählt ist?
Das
ist ein Punkt, der in den meisten internationalen Presseberichten nicht
verstanden wird. Die honduranische Verfassung verbietet bisher nicht nur
die direkte Wiederwahl eines Präsidenten, sondern eine Wiederwahl
überhaupt. Das ist in den meisten lateinamerikanischen Ländern anders.
Es gibt zwar häufiger nicht die Möglichkeit einer direkten Wiederwahl,
aber bei späteren Wahlen können ehemalige Präsidenten wieder antreten.
So war etwa Sanguinetti in Uruguay, wo auch keine direkte Wiederwahl
möglich ist, zweimal Präsident, aber eben mit einer Unterbrechung.
Zelaya könnte dagegen nach der honduranischen Verfassung nicht noch
einmal antreten. Würde aber eine Verfassunggebende Versammlung gewählt
werden und eine neue Verfassung verabschieden, die eine Wiederwahl
zulässt, könnte er bei den dann fälligen Wahlen kandidieren.
Tatsache
ist, dass die Kräfteverhältnisse in Honduras derzeit so sind, dass Mel
Zelaya sein Projektes einer Verfassunggebenden Versammlung formell nicht
durchsetzen konnte. Das wusste er auch. Das Parlament verweigert ihm
dafür die Unterstützung, weil die Abgeordneten darin vor allem sein
Bestreben sehen, sich die Möglichkeit einer Wiederwahl zu sichern. Dies
ist für Mel Zelaya eine Hürde, die er nicht überwinden kann. Er braucht
für die Einberufung einer Verfassunggebenden Versammlung die Zustimmung
des Parlaments. Er ging daraufhin vor das Verfassungsgericht, das lehnte
sein Vorhaben ebenfalls ab. Er konnte auch keine Volksabstimmung darüber
ansetzen, das könnte nur das Parlament. Also nennt er das Ganze nicht
Volksabstimmung, sondern consulta popular informal, also eine
Volksbefragung. Darauf sagten die Abgeordneten, eine solche Befragung sei
ungefähr dasselbe wie ein Referendum, und das dürfe die Exekutive nicht
durchführen. Das sei eine Verletzung der Verfassung und deswegen habe er
sich delegitimiert und könne entmachtet werden.
In
dem Konflikt machte das Parlament die (scheinbare) Konzession,
grundsätzlich einer Volksabstimmung zuzustimmen. Es hat dafür aber
keinen Termin angesetzt. Hätte Zelaya gesagt, ich werde mein Mandat zum
vorgesehenen Termin beenden und dann warten, dass die vom Parlament
zugesagte Volksabstimmung über eine Verfassungebende Versammlung in
absehbarer Zeit stattfindet, wäre der Konflikt beendet gewesen. Er hätte
aber darauf hoffen müssen, dass das Parlament sein Versprechen einhält.
Wenn er aber erst einmal weg gewesen wäre, hätten die Abgeordneten
wahrscheinlich keine Volksabstimmung mehr angesetzt. Da er das als
schlauer Politiker wusste, wollte er zusammen mit den sozialen Bewegungen
jetzt noch Fakten schaffen und suchte die Kraftprobe mit der Oligarchie.
Die hat aber eine reiche Tradition darin, politische Konflikte
gewalttätig mit Repression zu lösen. Was nun geschehen ist, ist das, was
sich daraus ergeben hat.
Was
die Oligarchie allerdings nicht berechnet hat, ist, dass sich die Zeiten
geändert haben. Früher hätten die USA sie in einem solchen Fall
komplett und sofort unterstützt. Derzeit zögern sie zumindest, Obama hat
erklärt, dass er den Machtwechsel nicht anerkennt. Sie haben auch nicht
mit einer so massiven Unterstützung der Weltgemeinschaft für Zelaya
gerechnet, so dass sie jetzt unter Druck stehen.
Es
gibt sehr viele Menschen, die jetzt für Zelaya auf die Straße gehen,
weil er ihre Hoffnungen auf einen Wandel verkörpert. Auf der anderen
Seite stehen starke Sicherheitskräfte mit einer langen Tradition der
Repression. Die große Frage ist heute, ob es einen Weg gibt, die aktuelle
Krise ohne unnötiges Blutvergießen zu überwinden. So wie es aussieht,
ist die Oligarchie in Honduras bereit, trotz aller internationalen
Widerstände, weiter auf der Absetzung Zelayas zu bestehen. Das macht die
ganze Situation so gefährlich. Die soziale Bewegung hat dafür keine
Strategie und keine Führung.
Du
hast jetzt Proteste auf der Straße, aber die sind nicht koordiniert und
organisiert. In solchen Situationen muss es zu einer qualitativen
Entwicklung kommen. Entweder strukturiert sich der Widerstand und das
nicht nur auf die Forderung hin, dass der Präsident wieder eingesetzt
wird, sondern richtet sich auf die ursprüngliche Forderung der sozialen
Bewegung aus, dass es mehr Gerechtigkeit, dass es Kampf gegen Armut geben
muss, dass die korrupten Politiker weg müssen. Dafür gibt es Anzeichen,
heute habe ich die Information bekommen, dass sich eine Front gebildet
hat, auch von Leuten, die sich vorher nicht für Zelaya engagiert haben.
Wenn es keine massive offene Repression gibt, kann man sich vorstellen,
dass daraus eine gewisse Entwicklung entstehen kann. Wenn es nicht so
kommt, sähe die Perspektive nicht sehr günstig raus.
Zur
letzten Frage: Was sind deine Forderungen zur Beilegung der aktuellen
Krise in Honduras?
Die
erste, dass man zu einer Deeskalation aufrufen soll, dass man die Armee,
die sich bis jetzt eigentlich zurückgehalten hat, zur Besonnenheit
aufruft, dass die Proteste, die es jetzt gibt, die es geben muss,
friedlich ausgetragen werden. Das wird, weil es unorganisiert ist, sehr
schwer werden – es gibt auch viele Provokateure.
Ohne
eine Verurteilung des Putsches und die sofortige Wiedereinsetzung des
Präsidenten Manuel Zelaya und seines Kabinetts kann man sich eigentlich
keine weiteren Verhandlungen denken. Das sollte allerdings ohne
Gesichtsverlust auf beiden Seiten geschehen. Deswegen ist das die zweite
Forderung.
Gleichzeitig,
und das wäre die dritte, muss garantiert werden, dass Menschenrechte, die
jetzt verletzt werden, bedingungslos eingehalten werden. Damit meine ich
sowohl das Recht auf Demonstrationsfreiheit als auch die freie
Meinungsäußerung. Die ist aktuell stark eingeschränkt, Medien und
Sender können nicht berichten, sogar CNN ist ausgeschaltet.
Viertens
darf die jetzige Übergangsregierung nicht als legitim anerkannt werden,
weil Präsident Zelaya nach seinen Aussagen nicht zurückgetreten ist, wie
das der Kongress glauben machen wollte. Selbst wenn er ein Dokument
unterzeichnet haben sollte, hätte er das unter Druck getan und es hätte
somit keine Gültigkeit.
Fünftens
muss der Ausnahmezustand aufgehoben werden und das Militär sofort in die
Kasernen zurückkehren, damit der soziale Frieden garantiert werden kann.
Sechstens
sollte sich Präsident Zelaya nach seiner Wiedereinsetzung verpflichten,
sämtliche Institutionen des Staates zu respektieren, insbesondere den
Kongress und das Verfassungsgericht, denn Honduras ist keine präsidiale
sondern eine repräsentative Demokratie und laut Artikel IV der Verfassung
ist keine Gewalt der anderen untergeordnet.
Das
Problem von Honduras ist nicht nur, dass es sich derzeit in einer Phase
fragiler Staatlichkeit befindet, sondern dass es eines der ärmsten
Länder Lateinamerikas ist, sehr fragil in Bezug auf Naturkatastrophen.
Wir sind jetzt in der Zeit der Hurricans, das Land wurde gerade von
mehreren Erdbeben heimgesucht, es gibt die Schweinegrippe-Pandemie, die
für viele Institutionen zum Problem wird, und das Land ist immer noch
sehr bedroht im Hinblick auf die Nahrungsmittelkrise. Es gab
Überschwemmungen, und wenn jetzt nur eine kleine Dürre dazu käme,
könnten die Leute ihre Bohnen nicht anpflanzen. Das sind eigentlich
Aufgaben der Exekutive, die Präsident Zelaya in den letzten Jahren sehr
vernachlässigt hat. Bei allen anstehenden Prozessen und Verhandlungen
dürfen die dringendsten Probleme der Ärmsten nicht vergessen werden, das
ist das wichtigste überhaupt. Es geht um das konkrete Leben und
Überleben von Menschen, was im Moment auf dem Spiel steht.
Das
Gespräch führte Gert Eisenbürger am 30. Juni 2009
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