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Deutschlands
Konservative und Rechte, darunter manche aus dem Kirchenlager, attackieren
Kuba und Fidel Castro kontinuierlich. In Brasilien, dem größten
katholischen Land der Erde, bewerten indessen sehr viele Geistliche,
namhafte Befreiungstheologen wie Leonardo Boff und Frei Betto, sowie
katholische Basisgemeinden, die Verhältnisse auf der Karibikinsel und den
dortigen Revolutionsführer erstaunlich positiv. Darüber erfahren auch
Deutschlands Christen indessen aus den Mainstream-Medien so gut wie
nichts. Gerade ist Kuba-Experte und Bestseller-Autor Frei Betto von
Havanna nach Sao Paulo zurückgekehrt und bringt wieder einmal
interessante Informationen mit. Er hat direkten Zugang zur kubanischen Führung
und zu Castro – schließlich hatte er diesen bereits in den achtziger
Jahren in nächtelangen Gesprächen davon überzeugt, sein Verhältnis zur
Religion und zu den Kirchen der Insel grundlegend zu bessern, den
kubanischen Staat und die kommunistische Partei nicht länger als
atheistisch zu definieren. Verfassung und Parteistatut wurden daraufhin
entsprechend geändert. Frei Bettos Buch über diese Nachtgespräche wurde
unter dem Titel „Fidel und die Religion“ ein Weltbestseller in 23
Sprachen, verkaufte sich in 32 Ländern, darunter Deutschland sowie Kuba
selbst über dreimillionenmal. --Beten für Castros Gesundheit—
Frei
Betto hat dafür ein deutliches Indiz: „Als Fidel Castro jetzt in die
Klinik mußte, haben die Bischöfe immerhin alle kubanischen Katholiken in
einer offiziellen, bei den Gottesdiensten verlesenen Note aufgefordert, für
die Gesundheit des Revolutionsführers zu beten. Und Havannas Kardinal
Jaime Ortega erklärte vor Journalisten, er und die katholische Kirche würden
keinesfalls eine nordamerikanische Intervention in Kuba akzeptieren.“
Der Inselstaat, so stellt Frei Betto klar, habe 46 Jahre lang der Blockade
durch die USA, vielen Spannungen, Terrorakten, Sabotage und jeder Art von
Verletzung kubanischer Souveränität widerstanden. Die USA, also Berlins
großer Bündnispartner, verstößt gemäß dem Befreiungstheologen damit
gegen jegliches internationale Recht sowie die UNO-Resolutionen.
Gravierend sei der Fakt, daß die USA in Guantanamo einen Kerker für
mutmaßliche moslemische Terroristen unterhielten, ohne daß die
internationale Gemeinschaft entsprechend protestiere. „Es scheint, daß
die öffentliche Meinung der Welt ohne größere Entrüstung diese
grauenhafte Tatsache akzeptiert.“
--Vergleiche
Kuba – Brasilien –
Daß
es in Kuba anders als beispielsweise in Brasilien keine Straßenkinder
gebe, sehe jeder Tourist. „Kuba ist ein armes Land, aber ohne Elend,
Misere. Für die elf Millionen Bewohner sind die Basis-Menschenrechte Ernährung,
Gesundheit und Bildung garantiert.“ Über den Horror in Brasiliens öffentlichem
Gesundheitswesen schreibt Frei Betto regelmäßig in seinen vielen
Zeitungskolumnen - daß Lulas Anti-Hunger-Programm längst
noch nicht den Hunger austilgte, ist bekannt. Und der Bildungssektor unter
„Hoffnungsträger“ Lula? „Es tut weh, mit ansehen zu müssen, daß
das öffentliche Schulwesen heute Schrott ist, die Lehrer schlecht bezahlt
werden. 65 Prozent der jungen Menschen Brasiliens zwischen 14 und 24
arbeiten nicht oder gehen keinerlei Ausbildung nach. Ich sehe keine
Zukunft für Brasilien ohne eine bessere Bildung.“
Frei
Betto informierte sich auch über die Lage der über siebzig
Castro-Gegner, die 2003 verhaftet und zu teils sehr hohen Gefängnisstrafen
verurteilt worden waren. "Alle sind inzwischen wieder frei,
einige gingen ins Ausland. Die gesamte Gruppe wurde bei ihrer Konspiration
von Diplomaten der US-Vertretung in Havanna gesteuert. Das wurde entdeckt,
die Gruppe wurde verhaftet. Ich habe darüber mit Havannas Kardinal Jaime
Ortega gesprochen, der die Strafen für übertrieben hielt. Doch auch der
Kardinal betonte, die Gruppe sei bei der Konspiration von US-Diplomaten
gesteuert worden.“
--No-Go-Areas von Rio de Janeiro—
Und
dann die Killerkommandos, die kontinuierlichen Massaker – war das
deutschen Menschenrechtsbeauftragten, der EU schon einmal eine Reaktion
wert? Oder gar Rios zahlreiche No-Go-Areas, von ganz anderer Qualität als
jene für Ostdeutschland beschriebenen. Wie hoch ist die Mordrate Rios,
Kubas? Gerade hat Frei Betto, der sich stets einen Anhänger des
Sozialismus nennt, gemeinsam mit über vierhundert Persönlichkeiten,
darunter acht Nobelpreisträgern, ein an die USA gerichtetes Dokument
unterzeichnet – „The Sovereignty of Cuba must be respected.“ Was
Frei Betto zu Kuba äußert, registriert auch die Website „KILLCASTRO“.
„We are PRO USA, RIGHT WINGERS“, definieren sich die
Castro-Opponenten.
--Leonardo
Boff und Castro— Zum achtzigsten Geburtstag Castros veröffentlichte Befreiungstheologe Leonardo Boff eine Zeitungskolumne. Die beginnt mit dem Satz:“Was ich hier schreibe, wird alle jene irritieren oder schwarz ärgern, die Kuba oder Fidel Castro nicht mögen.“ Boff erinnert daran, wie Castro Frei Betto und ihn regelrecht verpflichtete, Regierung und Parteiführung Kurse über Religion und Christianismus zu geben. Castro habe erklärt:“Ich bin mehr und mehr überzeugt, daß keine lateinamerikanische Revolution wahrhaft, populär und siegreich sein kann, wenn sie nicht das religiöse Element enthält.“ Leonardo Boff wollte über seine Gespräche mit Castro ebenso wie Frei Betto ein Buch veröffentlichen. „Ich hatte vier große Hefte über unsere Dialoge vollgeschrieben. Doch dann habe ich alles beim Überfall auf meinen Wagen in Rio de Janerio verloren – sie haben alles mitgenommen.“ Bewaffnete Raubüberfälle auf Autos, deren Fahrer nur zu oft gleich erschossen werden – sind die in Havanna auch so alltäglich wie in Rio? |