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Nach den jüngsten Attentaten und Häftlingsrevolten hat Brasiliens Polizei nach Angaben des österreichischen Gefangenenpriesters Günther Zgubic einen Gegenschlag gestartet, bei dem offenbar serienweise auch völlig Unschuldige erschossen werden. Zgubic, der zu den angesehensten Menschenrechtsaktivisten Brasiliens zählt und die nationale Gefangenenseelsorge leitet, sagte in Sao Paulo, für außergerichtliche Exekutionen gebe es zahlreiche Indizien. Er richtete einen Appell an die Regierungen und Menschenrechtsorganisationen Europas, derzeit besonders auf massive Verstöße gegen Bürgerrechte in Brasilien zu achten. Während der Kommerzfußball-WM in Deutschland, so regte Zgubic an, sollten die Menschenrechtsaktivisten beispielsweise mit Spruchbändern auf die gravierende Lage im Lande des Favoriten Brasilien hinweisen. Damit ist indessen kaum zu rechnen, da auch die deutschen Kommerzmedien, von Ausnahmen abgesehen, systematisch die entsprechenden Informationen unterschlagen. Staatschef Luis Inacio Lula da Silva erklärte unterdessen Claudio Lembo, Gouverneur des Teilstaates Sao Paulo, bei einem Treffen seine Solidarität. Angesichts der schwierigen Lage habe Lembo getan, was möglich sei. Der Gouverneur gehört zur Rechtspartei PFL, zählt traditionell zur Politiker-und Geldelite Sao Paulos. Während der 21-jährigen Militärdiktatur war Lembo in jenen Parteien aktiv, die das Generalsregime stützten und verteidigten. --Scharfe Kritik von Theaterregisseur Augusto Boal an Lulas Brasilien--
Der weltberühmte brasilianische Theatermacher Augusto Boal, der mit seinem "Theater der Unterdrückten" auch in Deutschland gastierte, klagte unterdessen Brasiliens "Gesellschaft der Reichen" an, sich in Privilegiertenghettos einzumauern und nur jenen die Existenz zu gestatten, die den Wohlhabenden dienten. Der Rest werde mitleidlos aus der Gesellschaft ausgeschlossen.
"Wir wissen doch alle, daß der größte Teil unserer Bevölkerung Hunger leidet, keinen Platz zum Wohnen, weder Schulen noch Hospitäler hat, lediglich überlebt, dahinvegetiert. Wir wissen doch alle, daß in der erstickenden, ungesunden Atmosphäre der Slums, in jener existentiellen Leere, angesichts der Abwesenheit von Werten und der Mißachtung des Lebens, der größte Teil der Bevölkerung in Gefängnissen außerhalb der Kerker haust."
Frauen, die von der Arbeit als Hausdienerinnen in den Slum zurückkehrten, seien dort Gefangene, könnten sich dort nicht frei bewegen, nicht frei und selbstbestimmt leben. "Anstatt Solidarität zu zeigen, akzeptieren unsere Regierungen diese gefangene Bevölkerung als Teil der Gesellschaft, bieten diesen Menschen den Kerker an, immer härtere Strafen, immer mehr Enge in den ohnehin total überfüllten Zellen der Haftanstalten." |