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Literatur-Special
Subversive Sprachspiele
Zé do Rock hat wieder zugeschlagen
von Gert Eisenbürger
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Geigenkasten, Allgemeiner Häuptling der Gütergemeinschaftsgedanklichen Landesverwalterschar des Süßrohreilands und Oberhäuptling der Umwälzungsheere: Der hat mit einer Zwölferschar Kleinkrieger die Macht in Süßrohreiland an sich gerissen und seitdem macht er wenige Zugeständnisse. Nix kapiert? Noch mal: Fidel Castro, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Cubas und Oberkommandierender der Fuerzas Armadas Revolucionarias: der hat mit einer Gruppe Guerilleros die Macht in Cuba an sich gerissen und seitdem macht er wenige Zugeständnisse.
Der erste Satz ist dem neuen Buch des in München lebenden brasilianischen Schriftstellers und Kabarettisten Zé do Rock entnommen – die Übersetzung besorgte der Rezensent, der nach der Lektüre besagten Buches siegfriedische Texte locker übersetzen kann. Weil man bei der Lektüre so etwas lernt, ist das Buch auch kein Roman, sondern ein ler- und
textbuk.
Wer jetzt verwirrt ist, hatte vermutlich mit Zé do Rock noch nichts zu tun. Wer ihn schon mal bei einer Lesung (was der so Lesung nennt) erlebt oder schon mal ein Buch von ihm gelesen hat, wundert sich über gar nichts.
Zé do Rock liebt es, mit Sprache zu spielen, das tat er schon in seinen vorangegangenen Büchern „Vom Winde ferfeelt“ und „Ufos in der Küche“. Obwohl er ein guter Geschichtenerzähler ist, sind die Geschichten dabei eher nebensächlich. Ihm geht es vor allem um die Auseinandersetzung mit Sprache. Im Klassiker „Vom winde ferfeelt“ hat er klar gemacht, wie schwierig, unlogisch und unsinnig die deutsche Sprache ist, und hat als alternatives Modell das viel einfachere und logischere „ultradoitsch“ ins Gespräch gebracht. Viele fanden das amüsant, manche aber auch nicht, ich habe selbst erlebt, wie engagierte Streetfighter bei einer Lesung über Zés Vorschläge einer Rechtschreibreform erbost waren und ganz konservativ die deutsche Sprache und Rechtschreibung verteidigten.
In seinem neuen Buch macht der Autor nun allen Streitern für die sprachliche Reinheit das ultimative Angebot: Siegfriedisch – das reinste Deutsch, das es je gab. Nicht nur moderne Fremdwörter sind daraus verbannt, sondern alles, was nicht germanischen Ursprungs ist, also lateinisch, keltisch usw. Kommunistisch wird so zu gütergemeinschaftsgedanklich, Guerilleros zu Kleinkriegern, korrupt zu bestechungsgeneigt, die Post zur Mitteilungsbeförderungsanstalt, Jumbo-Jet zu Kleinesrüsseltierriesenflugzeug und Zé do Rock zum Josef vom Stein.
Weil man ein ganzes Buch auf Siegfriedisch nicht ertragen könnte, stellt Zé do Rock das Kauderdeutsch dagegen: „Kauderdeutsch is de contrar von sigfridisch: de wordes com von allwo mainly del english“.
Und damit es nicht langweilig wird, stellt der Autor auch noch Bahnhofsdeutsch und andere fantasievolle Sprachkreationen vor, etwa wenn er zeigt, dass man alles falsch schreiben kann und das Rechtschreibprogramm merkt es nicht: Vieh leicht fair stehen Sie über Haupt nichts, weil die Kain deutsch können.
Präsentiert wird das alles in Glossen, etwa über die „Grosse Schlagerauszeichnung“ (Grand Prix Eurovision) oder die Telekom, ultimative Reiseberichte aus Island, Afrika oder Vietnam, praktische Lebenshilfen (z.B. ein Rezept für gegrillte Piranhas). Und es sind auch ein paar richtig ernste Texte drin.
Was soll man noch sagen? Lest das Buch einfach selbst oder geht zu dem hin, was Zé do Rock Lesung nennt. Ihr werdet euch wundern.
Zé do Rock: Deutsch gutt SONSt GelD zuRuck
– A siegfRieDische UND kauDeRDeutshe leR- UND textBuk, Verlag Antje Kunstmann, München 2002, 256 S., 18,90 Euro
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