Nachrufe
Abschied von Mario
Ernesto Kroch erinnert an den uruguayischen
Schriftsteller Mario Benedetti
von Ernesto Kroch
Am 17. Mai starb in Montevideo der Dichter und
Schriftsteller Mario Benedetti im Alter von 89 Jahren. Nur wenige Autoren
des 20. Jahrhunderts wurden in ihren Heimatländern so geschätzt und
verehrt wie Benedetti in Uruguay. Nicht gerade selbstverständlich für
einen aktiven Sympathisanten der revolutionären Linken, der von der Militärdiktatur
1973 ins Exil gejagt wurde. Seine politische Geradlinigkeit und sein
konsequentes Engagement gegen Militarismus und Reaktion förderten seine
außerordentliche Popularität, geliebt wurde er von den UruguayerInnen
aber wegen seiner Literatur, vor allem seiner Lyrik. Viele Gedichte
Benedettis wurden von den bekanntesten MusikerInnen des Landes vertont und
dadurch weiter verbreitet als das gedruckte Wort. Unser Autor Ernesto
Kroch kannte Mario Benedetti seit langem und erinnert im folgenden Beitrag
an den verstorbenen Freund.
Als nach der Totenwache im „Salon der verlorenen
Schritte“ sein Sarg zum Friedhof gefahren wurde, stand das Volk an der
Avenida de los Libertadores Spalier. Waren es im marmorkühlen
Parlamentspalast die Kulturschaffenden, die Universität, die Regierenden,
GewerkschafterInnen und linken AktivistInnen gewesen, die am leuchtenden
Katafalk Mario Benedetti ihren letzten Gruß boten, so standen die
Alltagsmenschen an dem breiten Boulevard, durch den der Leichenzug zog.
Arbeiter in blauer Kluft traten aus den nahen Autowerkstätten,
Bauarbeiter von ihren Gerüsten, Tränen in den Augen, Schulkinder in
ihren weißen Kitteln, mit Gedichten von ihm auf Blätter geschrieben, die
sie wie Fahnen hochhielten, Nonnen aus der anliegenden Kirche kommend...
ein Menschenmeer, dem Trauergefolge nachziehend, gab ihm das letzte
Geleit. Ein Volk, das sich mit seinem Dichter identifizierte. Einem,
dessen Wort, ob in Versen oder Prosa, jedermann verständlich, mit
Tiefenschärfe die Misere der Gegenwart aufdeckte und doch Hoffnung und
Zukunft verhieß.
Wiewohl seine Art zu sein und sich auszudrücken so uruguayisch war wie
der Mate und die dazugehörige Thermosflasche, brachen seine Schriften
doch viele Grenzen auf. Grenzen der Länder, der Tabus, der Gesellschaft
und der Generationen. Vor einer Menschenmenge jeden Alters wurde, am
Pantheon National angekommen, sein Gedicht „Was bleibt da der Jugend?“
vorgelesen. Benedetti hat es verstanden, dialektisch Ästhetik und Ethik
zu vereinen, Liebe und Kampf, die Verteidigung der Freude und den
Widerstand gegen die Unterdrückung. Seine Feder versprühte Gegengift
gegen die Resignation, die Frivolität, die Heuchelei der Herrschenden.
Dem neoliberalen „Rette sich, wer kann“, setzte er poetisch ein
„Rette dich nicht“ entgegen und war in seinem Leben ebenso kohärent
wie in seinen Schriften. Wort und Tat in einem.
Seit seiner frühen Jugend aktiv im Studentenbund im Kampf gegen den Militärpakt
von Río mit den USA, bis kurz vor seinem Tod die Kampagne des Plebiszits
für die Annullierung des Gesetzes der Straffreiheit der Mörder in
Uniform unterstützend. Das, obwohl schon sehr geschwächt. Er starb dann
am 17. Mai nachmittags in Frieden, während er schlief. Mario war stets
politisch engagiert. Aber er nahm nie
eine führende Stellung ein oder ein Amt an, wirkte stets an der Basis.
Antiimperialist, Verteidiger Cubas, Revolutionär, war er Mitbegründer
von Marcha und anderen linken Zeitschriften und gehörte, als sich alle
linken Gruppen und Parteien in der Frente Amplio vereinigten (1971), der
Bewegung 26 de Marzo an, damals politischer Arm der Tupamaros in der
Vereinten Linken.
Als das Militär mit einem Staatsstreich (1973) seine Diktatur errichtete
und Marcha, wie alle linken Medien, verbotmusste er nach Buenos Aires
fliehen. Er teilte da die Schlüssel für illegale Unterkünfte mit Zelmar
Michelini, dem Senator der Frente Amplio, und Héctor Gutiérrez Ruíz,
dem Parlamentspräsidenten, die wie er aus Uruguay geflüchtet waren. Als
Michelini und Gutiérrez Ruiz am 20. Mai 1974 von einem
argentinisch-uruguayischen Militärkommando ermordet wurden, entkam Mario
aus dem lebensgefährlichen Argentinien nach Peru. Auch da konnte er nicht
lange bleiben, von einem Tag zum anderen wurde er zum Flugplatz gebracht
und deportiert (1977). In Cuba angekommen, arbeitete er dann wieder –
wie schon einmal 1968 bis 1971 – in dem von ihm mitbegründeten
Kulturinstitut Casa de las Américas. Befreundet mit Haydée Santamaría
und Roberto Fernández Retamar, sah er Cuba als sein „politisches
Vaterland“ und verteidigte es, von wem auch immer ein Angriff kam. Was
ihn jedoch nicht davon abhielt, seine schwachen Seiten zu kritisieren: die
Bürokratie, die Privilegien von Funktionären, den Vertikalismus und die
ungenügende Demokratie. Vor allem verlangte er offen die Abschaffung der
Todesstrafe. Doch über alle Mängel hinweg sah er sich dem cubanischen
Volk und seiner Revolution der Würde verpflichtet. 1980 ging er nach
Spanien und unterstützte von dort aus die politischen Gefangenen in
Uruguay und den Kampf gegen das Terrorregime. Als dann die Diktatur, vom
Volk in die Enge getrieben, in den letzten Zügen lag, kehrte er aus
Madrid nach Montevideo zurück (1983). Hier nahm er an der Gründung der
linken Wochenzeitung Brecha, in der alten kämpferischen Tradition von
Marcha, teil.
Als schließlich die Frente Amplio an die Regierung kam (2005), wurde ihm
vom Ministerium für Erziehung und Kultur das Amt des Direktors der
Nationalbibliothek angeboten. Aber Mario lehnte ab. Nach der gescheiterten
Guerrilla, der er nahegestanden hatte, sah er sich – stets mit den
gleichen humanistischen und emanzipatorischen Zielen – als Sozialist,
freilich ohne je Mitglied einer Partei zu werden. In der Frente Amplio
galt er als Unabhängiger und nahm an vielen sozialen Projekten und
Initiativen teil. Fühlte er sich auch stets jenem Kampf verpflichtet, so
wollte er doch freie Hand für seine Feder haben. Lag doch seine Stärke
und Wirksamkeit im geschriebenen Wort, auf dem Gebiet der Literatur und
auch, aber weniger, dem des Journalismus. Während er einen politischen
Artikel schrieb, hatte er schon zehn Gedichte oder drei Erzählungen
verfasst. Und selbst als Journalist bezogen sich seine Analysen und Kritik
weniger auf Staat und Parteien als auf die Gesellschaft. Er war ihr
moralisches Gewissen.
Davon legen über 80 seiner Bücher Zeugnis ab, nicht wenige in 20
Sprachen übersetzt. Und es gibt kaum ein Genre, in dem er sich nicht
versucht hätte. Doch in der Poesie war er ein Meister. Nach Pablo Neruda
war er sicherlich der meistgelesene Dichter Lateinamerikas. Aber auch in
Europa fand er Beachtung, das zeigen die vielen Literaturpreise und
Auszeichnungen dort. Mit La víspera indeleble (Der unvergängliche
Vorabend, 1945) begann seine poetische Laufbahn, um nur Monate vor seinem
Tod mit Testimonio de uno mismo (Zeugnis seiner selbst) zu enden.
Dazwischen liegen zig Gedichtbände. In den fünfziger Jahren erschienen
seine Poemas de la oficina (Bürogedichte) und zu diesem für ihn damals
wichtigen Thema kann man die Novelle La tregua (Die Gnadenfrist) und den
kritischen Essay El país de la cola de paja (Das Land des schlechten
Gewissens) und den Erzählungsband Montevideanos hinzuzählen. Gedicht,
Novelle, Essay und Kurzgeschichten gaben seiner Besorgnis und Anklage
Ausdruck angesichts der Identitätskrise einer Gesellschaft, die anfing
auseinanderzubrechen. „Das verstädterte Land“, Uruguay, „das
einzige Büro in der Welt, das die Kategorie einer Republik erlangt
hat“, sowie die Mentalität des Uruguayers als die eines Büroangestellten,
den Verlust des kulturellen Erbes und die schäbige Mittelmäßigkeit nahm
Benedetti in einer Zeit der Stagnation und des moralischen Verfalls unter
die Lupe. Bei aller ätzenden Kritik aber ließ er eine Lücke des
Ausblicks auf einen Wandel offen. Ein jedes dieser vier Bücher zu lesen
ist ein wahrer literarischer Genuss. Man fühlt sich als Komplize des
Schriftstellers und macht sich mit ihm über diese Welt lustig und
traurig. Man merkt es: Mario muss dieses matt graue Universum der Ämter
und Büros aus eigener Erfahrung von innen her gekannt haben.
Am 14. September 1920 in Paso de los Toros, einer Kleinstadt in der Mitte
Uruguays, geboren, zog seine Familie mit ihm als Vierjährigem in die
Hauptstadt Montevideo. Nach dem Schulabgang mit vierzehn Jahren trat er
ins Berufsleben. Zuerst arbeitete er in einer Firma für Autoersatzteile,
dann als Stenograph, Kassierer, Übersetzer – er hatte die deutsche
Vorschule besucht – und auch als öffentlicher Angestellter. Selbst als
er nach Buenos Aires umzog, arbeitete er stets in Büros. Doch in all
seinen wahren und düsteren Prognosen irrte er auch. „Wir stehen auf
einem stillen Plätzchen, wo es weder Erdöl noch Indios noch Erzlager
oder Vulkane gibt, nicht einmal eine Armee, die sich zum Staatsstreich
berufen fühlt.“ Anderthalb Jahrzehnte später schmachtete das Land
unter den Stiefeln seiner Generäle. Bis dahin hatte Mario viele neue
Gedichte und Romane in streitbareren Tönen geschrieben. El cumpleaños de
Miguel Angel (Miguel Angels Geburtstag), seine in Versen geschriebene
Novelle bezieht sich auf die Stadtguerrilla, aber in einem Zeitraum von
nur 24 Stunden, in welchen der Protagonist unter sehr verschiedenen Umständen
mehrere Geburtstage von acht bis 34 Jahren feiert. Mit viel Phantasie
geschrieben, nahm er die Flucht der Tupamaros aus der Haft durch die Abwässerkanäle
Jahre vorweg.
Das Werk war Raúl Sendic, dem Führer der Stadtguerrilla, gewidmet, dem
er einmal seine Wohnung als Unterschlupf bot – daher das Gedicht „Wir
alle konspirieren“. Als Jahre danach Sendic im Gefängnis saß, wollte
eine Frau, die ihn dort besuchte, das Buch überbringen. Zuvor musste sie
es aber der Kontrolle vorlegen. Der Soldat bemerkte die Widmung und wies
den wachhabenden Offizier darauf hin. Der strich kurzerhand die Widmung
aus, freilich so, dass Sendic sie noch gut lesen konnte, warf einen Blick
hinein und sagte verächtlich: „Gut, es sind ja nur Verse... soll's
durchgehn.“ Auch der Gedichtband Letras de emergencia (Schriften im
Notstand) spiegelt den Zeitgeist jener turbulenten, konfliktreichen Jahre
vor dem Staatsstreich wider. Später, schon im Exil unter dem Eindruck der
Schreckensnachrichten aus seinem Land, wo der Staatsterror zum System
geworden war, schrieb er das Theaterstück Pedro y el capitán (Pedro und
der Hauptmann). Der politische Gefangene und der Verhörer stehen sich da
gegenüber. Von Akt zu Akt, nach jeder neuen Foltersitzung treibt der
bestialisch geschundene und jedesmal schwächere Pedro mit seiner
Standhaftigkeit und Integrität den hohen Offizier in die Enge und, schon
am Rande des Todes, triumphiert über ihn. Ein ergreifendes Drama, das in
Europa seinerzeit Indifferenz und Gewissen aufrüttelte und zu mehr
Solidarität mit den politischen Gefangenen der Diktaturen Lateinamerikas
beitrug.
Als die Diktatur in Uruguay andauerte und das Exil sich hinzog, wurde
Benedettis Stil mehr reflexiv. Es erschien der Erzählungenband Con y sin
nostalgia (Mit und ohne Sehnsucht) und der Roman Primavera con una esquina
rota (Frühling mit einer angebrochenen Ecke). Als Parabel für die von
dem autoritären Regime forcierte Fragmentierung der Gesellschaft steht
hier der Zerfall einer Ehe. Obwohl einst wahre Lebensgemeinschaft gewesen,
geht sie unter der langen Trennung – er im Militärgefängnis, sie und
das Kind in Spanien – allmählich in die Brüche. Der erschütternde
Briefwechsel von „Hinter den Mauern“ und „Außen vor den Mauern“
ist zugleich Zeugnis von Liebe und Einvernehmen und zunehmender
Entfremdung. Bemerkt doch Benedetti bei sich selbst, dass er sich verändert
und auch sein Land sich verändert.
Man sagt
dass nach zehn Jahren
alles sich geändert hat
drüben
Man sagt
dass der Boulevard ohne Bäume ist
und wer bin ich daran zu zweifeln
bin nicht auch ich ohne Bäume
und ohne Erinnerung an die Bäume
die wie man sagt
nicht mehr da sind.
Die Bäume auf dem 18 de Julio hat Mario nicht mehr wieder gefunden. Die
Generäle hatten wenig Sinn für Blumen, Gedichte und Bäume. Aber er fand
es bestätigt, als er heimkehrte, das Gemeinschaftsgefühl, die gute
Nachbarschaft, die Solidarität waren unter Terror und Furcht in den fast
zwölf bleiernen Jahren erstickt. Sie mussten erst wiedererweckt werden,
und dazu trugen – nun im desexilio, der Zeit der „Entexilierung“ –
auch Benedettis Gedichte und Erzählungen, seine Filme und Theaterstücke
bei.
Er entwickelte ein enormes schöpferisches Potential, trotz seines immer
beschwerlicher werdenden Asthmas, das ihn die uruguayischen Winter im
sommerlichen Madrid verbringen ließ. Begleitet stets, so wie fast sein
ganzes Leben lang bis zu ihrem Tod vor wenigen Jahren, von Luz, seiner
Lebensgefährtin.
Besonders waren es seine Lieder, Gedichte, die vertont in den
Allgemeinbesitz der UruguayerInnen übergingen. Die fast jeder kennt und
der Folklore des Landes eigen erachtet. Vor allem das Duo Los Olimareños
und Daniel Viglietti machten daraus bekannte Lieder, zuweilen nach einer
kleinen Umarbeitung von Mario. Auch Joan Manuel Serrat und Pablo Milanés
haben Gedichte von ihm vertont. Rezitation und Konzerte im Dialog von
Benedetti und Viglietti waren auf den Montevideaner Bühnen, solange Mario
noch dazu imstande war, keine Seltenheit. Oft zu dem Zweck, Gelder für
die „Organisation der Familienangehörigen der Verhaftet-Verschwundenen“
zu sammeln. Und diesen spendete auch Mario die 30 000 Dollar seines in
Cuba erhaltenen Premio José Martí. Eben das lässt ihn unter der Plejade
der großen SchriftstellerInnen – und überhaupt aller „Großen“ –
hervorragen, seine Integrität als Mensch. Wie ihn José Saramago in einem
Nachruf beschrieb: „Vor allem war er ein guter Mensch. Nie beugte er
sich vor der Macht. Seine Werke werden andere Dichter gebären und so wird
er weiterleben.“
Erinnerung an eine
Begegnung
Vielerorts in seinem Land und in der Welt hat Mario
Benedettis Stimme Widerhall gefunden. Einer dieser Orte war Casa Bertolt
Brecht, das Brecht-Haus in Montevideo. Seit seiner Gründung (1964)
konnten wir immer wieder auf diesen damals bedeutendsten uruguayischen
Dichter und Schriftsteller zählen. In unserem großen Saal rezitierte er
seine Gedichte, oftmals auch noch unveröffentlichte, manchmal las er aus
seinen Erzählungen vor oder konferierte über Fragen der Literatur
Lateinamerikas. Nie konnte der Saal alle ZuhörerInnen fassen, sie standen
auf der hohen Treppe bis auf die Straße. In absoluter Stille, um keinen
seiner Gedanken oder Strophen zu verlieren, unterbrochen nur ab und zu von
schallendem Lachen, wenn sein Humor, die feine Ironie oder die ätzende
Satire den Hintergrund einer Handlung oder einer Verhaltensweise
aufdeckte.
Ende der achtziger und während der neunziger Jahre eröffneten wir unser
kulturelles Programm unfehlbar mit einer Lesung von Mario Benedetti. Zu
diesem Zweck mussten Guillermo (Willi Israel) und ich ihn rechtzeitig
vorher in seiner Wohnung besuchen, wohl wissend, wie beschäftigt er war
und wie schwierig es sein würde, einen Termin auszumachen, der in seine
übervolle Agenda passte. Oft beklagte er sich, man ließe ihm kaum noch
Zeit zum Schreiben, aber trotzdem – und man merkte, was ihn der
Verzicht, den wir ihm abverlangten, kostete – sagte er jedesmal zu.
Danach konnten wir uns ungezwungen unterhalten. Er erinnerte sich seiner
Schulzeit in der deutschen Hindenburg-Schule, wo ganz offen der Nazigeist
waltete. Die Schüler wurden in Klasse A und Klasse B eingeteilt, die der
germanischen Arier und die der uruguayischen Eingeborenen, und letztere
diskriminiert. Bis sein Vater ihn aus dieser vergifteten Atmosphäre
befreite. Brecht und die Literatur der DDR sowie die der Bundesrepublik
interessierten ihn und waren oft unser Thema. Gewiss ist der reflexive und
nüchterne Stil Benedettis nicht der des didaktischen und strengen Brecht,
doch hatten beide dieselbe Leidenschaft der Suche nach Wahrheit und das
gleiche Engagement für Gerechtigkeit und Solidarität.
Als ich mein erstes deutsches Buch, den Erzählungenband „Südamerikanisches
Domino“, im Peter Hammer-Verlag veröffentlichen wollte, gab ich Mario
den maschinengeschriebenen Text und bat ihn, ein Vorwort dazu zu
schreiben. Er war der einzige Schriftsteller Uruguays, der Deutsch sprach.
Er las die Geschichten und schrieb einen warmherzigen Prolog, der mir, der
noch keinen Namen in der Literatur hatte, den Weg öffnete. Denn sein Name
war in Deutschland schon sehr bekannt.
Mario litt sehr stark an Asthma, was ihn Ende der neunziger Jahre
hinderte, die steile Marmortreppe in der Casa Bertolt Brecht
hochzusteigen. Seitdem waren wir um seine Vorträge gebracht. Freilich
konnten wir ihn andernorts hören und immer wieder ein neues Buch lesen.
Seine bereichernde Poesie und Prosa begleitete uns weiter. Und sie bleiben
und werden uns auch nach seinem Tod weiterhin begleiten.
Ernesto Kroch
Montevideo, 24 de Mayo 2009
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