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LateinAmerikagespräche 


Globalisierung heute –
 Lateinamerika morgen?
Passauer LateinAmerikagespräche vom 22. - 24. Mai 2002
von Fabian Zuber

Wie im Jahr zuvor lud auch diesen Mai ein studentisches Organisationsteam zu den Passauer LateinAmerikagesprächen (PLA): 13 ReferentInnen und 220 TeilnehmerInnen kamen an der Universität Passau ein Wochenende lang zusammen, um über die „Herausforderungen für einen Kontinent der Gegensätze“ zu diskutieren. Unter dem Titel „Globalisierung heute – Lateinamerika morgen?“ wurden die Form und Auswirkungen der Globalisierung erörtert. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Perspektiven Lateinamerikas sowie die Bedeutung einer Europäisch-Lateinamerikanischen Partnerschaft. Neben kontroversen Debatten wurde ein umfangreiches Rahmenprogramm geboten: Kunst, Kultur, Konzerte und Kulinarisches sorgten auch dieses Jahr wieder für eine ausgelassene und produktive Arbeitsatmosphäre.

Der große Erfolg der Passauer LateinAmerikagespräche spiegelt sich nicht zuletzt in den Resümees der namhaften ReferentInnen wider: Detlev Nolte vom Institut für Iberoamerika-Kunde lobte das außergewöhnlich „anregende und angenehme Umfeld“ der Veranstaltung. Elmar Altvater hob hervor: „Für die an Lateinamerika Interessierten sind die PLA Bestandteil ihrer Öffentlichkeit, wo Interpretationen diskutiert und Lernprozesse organisiert werden.“ Unter dem Titel „Die Globalisierung frisst ihre Kinder“ eröffnete Elmar Altvater in einem kritischen Vortrag die Diskussion. Georg Boomgaarden, Beauftragter für Lateinamerikapolitik im Auswärtigen Amt, stellte dazu fest: „Gerade zum Thema Globalisierung gibt es so viele verschiedene Sichtweisen, viele davon recht naiv, einige selbst unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten schlicht falsch, andere ernstzunehmen – aber ratlos, was Lösungen angeht –, wieder andere verfestigen sich zu Ideologie.“ Insgesamt herrschte unter den ExpertInnen ein breiter Konsens darüber, dass die Globalisierung in ihrer heutigen Form zur Verschärfung weltweiter Gefahren und Konflikte beiträgt. Konkrete Ansätze zur Gestaltung derselben wurden jedoch nur am Rande angeschnitten. Vielmehr ging es in den weiteren Vorträgen um die Zukunftsaussichten Lateinamerikas.

Nach vertiefenden Beiträgen und Diskussionen kamen am Samstag Nachmittag nochmals alle ReferentInnen zusammen, um in einem „Interaktiven Resümee“ gemeinsam mit dem Publikum Bilanz zu ziehen. So wurde ein Stimmungsbild geschaffen und – gemäß des Kongresstitels – der Frage nachgegangen, welche Zukunft Lateinamerika erwartet: Georg Boomgaardens optimistischer Einschätzung – „Die negativen Prognosen werden nicht eintreffen“ – stand Detlev Noltes Fazit gegenüber: „Auf mittlere Sicht sehe ich die Perspektive für Lateinamerika eher negativ.“ „Die Vielschichtigkeit der Betrachtungsweisen der Region durch die ReferentInnen haben klargemacht, wie unterschiedlich die einzelnen Länder sind“, kommentierte Frank K. Westermann vom Ibero-Amerika-Verein. Die Auffassung von Peter Eisenblätter, Terre des hommes, dass „nur die Überwindung der extremen Ungleichheit in Lateinamerika“ sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft zu einer Stabilisierung beitragen könne, wurde indessen von der Mehrheit geteilt.

Europäisch-lateinamerikanische Partnerschaft?

In einer abschließenden Podiumsdiskussion wurde dann eine Brücke nach Europa geschlagen. Nur wenige Tage nach dem Lateinamerikanisch-Europäischen Gipfel in Madrid versuchten fünf ReferentInnen die Situation und Zukunft der interkontinentalen Partnerschaft zu bewerten. Konsens herrschte darüber, dass Lateinamerika im Blickfeld der Öffentlichkeit sowie in der außenpolitischen Agenda Europas eine zu geringe Rolle spielt. Die Errichtung einer – derzeit nicht existenten – „strategischen Partnerschaft“ (wie sie die EU propagiert) sei jedoch insbesondere als Gegenpol zur US-amerikanischen Dominanz von großer Bedeutung. Wege dorthin lägen vor allem in einer Kombination aus fairen Wirtschaftskooperationen und konstruktiver Entwicklungszusammenarbeit. (Wie „fair“ EU-Wirtschaftsinteressen in Lateinamerika wären, sei dahingestellt – d. Säz.) Leo Gabriel aus Wien resümierte am Ende der Veranstaltung: „Als altem Hasen in der internationalen Lateinamerikaforschung ist mir die enorme Bandbreite der wissenschaftlichen Themenstellung aufgefallen. Es gibt ja immer wieder Lateinamerika- Konferenzen und -Kongresse, wohl aber selten solche, in die das studentische und einschlägig interessierte Publikum auf derart aktive Weise eingebunden ist wie bei den Passauer LateinAmerikagesprächen.“ 

In diesem Sinne bleibt der Hinweis auf die PLA 2003 u. ff. als einen Veranstaltungstermin, den sich Lateinamerika- interessierte in jedem Fall vormerken sollten. Entsprechende Informationen gibt es:   www.pla-online.de

Fabian Zuber ist Student der Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Lateinamerika an der Universität Passau.

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